Spielfilm Chinesen in London: Chinese Blues bzw. Soursweet (1988) – 6 Sterne

Eine chinesische Kleinfamilie baut sich in den 60ern mit einem Imbiss eine Existenz im ärmsten Teil Londons auf. Doch der Mann verstrickt sich in Schulden, eine Gangsterbande setzt ihn unter Druck.

Das ist fein beobachtet, in immer neuen, sorgfältig choreographierten Kamerabildern in trüben Farben. Respekt, Tradition und Hierarchie à la China spielen eine große Rolle hier. Aber mehr als Timothy Mos gleichnamige Romanvorlage zeigt der Film die Hauptfiguren auch als Individuen mit ganz eigenen Motiven. Europäer sieht man kaum. Der Film heißt Soursweet oder auch Chinese Blues, Regie Mike Newell, Hauptdarsteller Sylvia Chang, Danny Dun.

Keine Komödie:

Als Komödie würde ich das nicht bezeichnen: Die sehr ernste Bedrohung durch die Gangster entsteht schon früh, die Gewaltszenen sind knapp, aber überaus brutal, ich musste per Schnellspultaste flüchten. Zudem fehlen im Film einige der lustigeren Elemente des Buchs, so die Fahrstunden für die Chinesin, die ersten Autofahrten und die Fahrt zum Flughafen.

Dezidiert zeigt Regisseur Newell dagegen Leid und Auseinandersetzung, ebenso wie Stress bei der Arbeit. Drehbuchautor Ian McEwan dichtete noch ein paar jugendfreie  Bettszenen dazu, die im Buch auch nicht auftauchen und vor allem ein genaueres Bild der ebenso wie willensstarken wie vordergründig demütigen weiblichen Hauptfigur zeigen.

Flüchtige Eindrücke:

Schon im Buch ist das Geschehen innerhalb der Gangsterbande teils schwer nachzuvollziehen, hier im Film wirken manche Banden-internen Diskussionen noch kryptischer. Auch andere Motive aus dem Roman werden flüchtig gestreift, aber nicht ausgearbeitet.

Das 4:3-Bild hat eine sehr gute Qualität, auch der Ton klingt voll und gut aufgelöst. Die DVD enthält noch einen weiteren Kurzfilm, aber kein Material zu Soursweet, auch keine Untertitel in Englisch, Deutsch oder sonstigen Sprachen.


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