SO-Asien-Memoiren: Distant Archipelagos: Memories of Malaya (2004), von Peter Moss – 6 Sterne

Das Buch enthält viele zauberhafte Passagen über Malaysia in den späten 50ern und frühen 60er Jahren (zuerst hieß es noch Malaya). Expat-Leben beschreibt Peter Moss genauso wie die Verhältnisse der Einheimischen, wenn auch ohne Fotos. Ich habe oft gelacht, gestaunt, geträumt.

Reporter im Malaya vor der Unabhängigkeit:

Moss arbeitete als Reporter für die Tageszeitung Malaya Mail (Ableger der Straits Times) und hatte viele spannende Aufträge: er begleitet den Sultan auf einer Inspektionsreise, sitzt im Geldtransportflugzeug, besucht Ureinwohner. Jedes Erlebnis bekommt jedoch nur wenige Buchseiten – Moss schrieb Distant Archipelagos erst Jahrzehnte nach seinem Aufenthalt (erschienen 2004). Gleichwohl wirken seine Erzählungen nicht zu blass.

Allerdings textet Moss vor allem im ersten Drittel sehr weitschweifig. Der kleinste Anlass reicht zum Themenwechsel, und schon hören wir eine Anekdote aus dem Italienurlaub seiner Eltern. Dazu kommen geschichtliche Exkursionen – von Burmas Weg in die Unabhängigkeit (sic) über die Entstehung Kuala Lumpurs und Malakkas bis zur innenpolitischen Situation der Provinz Perak im frühen 19. Jahrhundert.

Der Titel Distant Archipelagos passt nicht gut zu Malaysias Geographie. Im Buch gibt es ein Kapitel zur Insel Langkawi und umliegenden Inselchen; dieses Kapitel heißt wie das Buch Distant Archipelagos – doch angemessen erscheint die Bezeichnung nicht. Ein weiteres kurzes Kapitel schildert andere Besuche auf vorgelagerten Inselchen – wiederum kann von einem Archipel kaum die Rede sein, doch es klingt halt exotisch, fast schon nach Joseph Conrad (den Moss wiederholt erwähnt).

Vom Expat-Leben in Südost-Asien:

Teilweise erinnerte mich Distant Archipelagos an Anthony Burgess‘ malaysische Trilogy The Long Day Wanes – auch dort geht es um malay(si)sches Expat-Leben in den späten Fünfzigern. Verblüffend: Der frivole Koch aus dem ersten Teil der Burgessschen Malayan Trilogy (Time for a Tiger) heuert bei Moss und einem Kollegen an und liefert wiederum ein paar amüsante Seiten.

Ebenfalls vom britischen Expat-Leben Mitte des letzten Jahrhunderts handelt D.J. Enrights Memoirs of a Mendicant Professor (die Hälfte des Buchs ist seiner Zeit an der Uni Singapur gewidmet). Man mag auch an Fauconniers Soul of Malaya (Malaisie) denken, doch Moss behandelt einen größeren Zeitraum mit weniger Nähe und Drama. Wer noch mehr Lesestoff zur Region braucht: Moss empfiehlt reihenweise historische Malaysia-Bücher, teils mit interessanten Zitaten.

Begrenzte Nähe:

So richtig nah kommt Moss den Einwohnern seines Gastlandes nicht. Er sehnt sich zwar immer nach dem ursprünglichen Leben im Kampong, reist in entlegenste Winkel, übernachtet unter spartanischen Bedingungen – doch besser bekannt ist er durchweg mit Weißen, meist Engländern. (Fast noch lieber ist er allein, denkt man manchmal.)

Erst gegen Ende freundet er sich näher mit einem Javaner in Kuala Lumpur an. Moss hat auch keine malaysische Partnerin; vielmehr schildert er auf wenigen Seiten zurückhaltend, wie er in Expat-Kreisen vergeblich nach einem homosexuellen Partner sucht.

Moss schrieb auch Bücher über seine Zeit in Indien (Byebye Blackbird) und Hongkong (No Babylon).


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