Rezension Singapur-Spielfilm: Saint Jack (1979, mit Ben Gazzara) – mit Szenen – 7 Sterne

Der Film von 1979 wirkt fast wie eine schnell gedrehte Doku aus dem Singapur der 70er Jahre, mit Bildern von Märkten, Clubs und nächtlichen Gassen. Die Handlung verblasst gegen das allgemeine Ambiente und gegen die vielen Nahaufnahmen des gutaussehenden Ben Gazzara. Es gibt einige schöne Kamerafahrten und gut choreografierte Bewegungsabläufe.

Gegenüber der gleichnamigen Buchvorlage von Paul Theroux (1973) wurde die Handlung deutlich umarrangiert; der zeitliche Ablauf wirkt im Film unübersichtlich, das Ganze zerfällt in einige Episoden plus viel rein Atmosphärisches (New York Magazine: „the movie has no narrative drive“; wohl auch, weil das Drehbuch noch während des Drehs laufend umgeschrieben und um neue Charaktere und Darsteller, die man irgendwo getroffen hatte, bereichert wurde).

Viel Atmosphäre, weniger Handlung:

Die Akteure erscheinen im Film lebendiger und sympathischer als im Buch, nicht zuletzt dank Hauptdarsteller Ben Gazzara, hier ein liebevoll lächelnder und jede Schulter klopfender Zuhälter mit Herz – fast schon monoton. Gazzaras Kumpel im Bandung-Club zeigt Bogdanovich als Knallchargen, die staubtrockenen Dialoge des Romans machen im Film keinen Eindruck.

Der Regisseur präsentiert lieber schöne Frauen, dunkle Gassen und immer wieder Ben Gazzara cool und sympathisch in Nahaufnahme, er wirkt ebenso wie Denholm Elliot sehr authentisch und „da“. Die im Buch mehrfach ausgemalte Szene, wie der Hauptakteur ein Boot voll chinesischer Freudendamen zu einem ankernden Ozeanriesen steuert, erscheint im Film nicht.

Hintergründe zum Film:

Regisseur Peter Bogdanovich drehte den Film unter einem Vorwand in Singapur, denn einen Rotlicht-Streifen hätte der Stadtstaat wohl nicht genehmigt. Bild und Ton auf meiner DVD sind ausgesprochen schlecht; vielleicht liegt es auch daran, dass Saint Jack für den speziellen Look mit Fuji- statt dem bunteren Kodak-Material gefilmt wurde.

Es gibt keine Untertitel, auch nicht englische, jedoch ein 20minütiges Interview mit Peter Bogdanovich sowie getrennt dessen Kommentar, der sich zum Film abspielen lässt. Ben Slaters Buch Kinda‘ Hot erzählt die Entstehungsgeschichte des Films spannend und lebendig; sehr interessant ist  auch sein Blog zum Film.




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