Sachbuch-Kritik: Fidel Castro, Ein privater Blick auf den Máximo Líder, von Jeanette Erazo Heufelder (2003) – 5 Sterne

Ethnologin Jeanette Erazo Heufelder schreibt im Präsens und überwiegend einigermaßen flüssig, wenn auch reizlos. Ihr Buch gewinnt nie Fahrt: Sie schreibt nicht-chronologisch und zerhackt das Thema in kleinste Teile: 20 Hauptkapitel mit *etwa* 160 Unterkapiteln auf nur 340 Seiten Haupttext (dazu kommen noch etwa 47 Seiten Inhaltsverzeichnis und Anhang in meiner fest gebundenen Eichborn-Ausgabe).Viele Unterkapitel belegen nur eine knappe Seite, dann folgt die nächste Zwischenüberschrift.

Weil Erazo Heufelder nach Themen und nicht zeitlich anordnet, erscheinen zeitlich aufeinanderfolgende Ereignisse in ganz unterschiedlichen Buchteilen. Mit Seitenzahlen in Querverweisen verlinkt die Autorin dann zu Episoden irgendwo anders im Buch, die zeitlich an die gerade beschriebene Geschichte anschließen. Mitunter hat eine Doppelseite vier solcher Querverweise, und ein Querverweis auf S. 134 verweist sogar auf Seite… 134 (das ist ein Fehler, er müsste zur Seite 137 verlinken).

Erazo Heufelder bemüht sich auch nicht um Live-Atmosphäre, sondern nimmt sich mehr zurück als jeder andere Publizist. Sie besuchte Kuba mehrfach u.a. für Dreharbeiten und traf auch Fidel Castro im Atelier des Malers Oswaldo Guayasamín. Doch sie erzählt kaum ein Wort von ihren Kuba-Reisen und den persönlichen Líder-Begegnungen; sie zeigt nur ein paar kleine, kontrastarme SW-Bilder von sich und Castro im Atelier – die Bildlegende dazu erscheint weiter hinten im Anhang. Nur dem Deutschlandfunk verriet Erazo Heufelder, dass Castros Spanisch schwer zu verstehen war.

Es gibt eine Zeittafel, 568 Quellennachweise und ein unkommentiertes Literaturverzeichnis, in dem Erazo Heufelder auch die Castro-Biografien von Quirk und Skierka nennt. Das Personenregister liefert 3-Zeilen-Biografien zu allen Akteuren, aber keine Verweise auf die entsprechenden Stellen im Haupttext.

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