Romankritik. Urs Widmer: Liebesbrief für Mary (1993) – 6 Sterne

Das Romänchen hat drei unterschiedliche Aspekte:

Handlung:

Im Kern erzählt Urs Widmer (1938 – 2014) ein Liebesdreieck – zwei Schweizer Männer, einer von ihnen der Ich-Erzähler und der andere der Verfasser des langen Liebesbriefs, sind hinterereinander in Zürich mit der Irin Mary zusammen; die haut nach Australien ab und beginnt im Outback ein neues Leben mit einem weiteren Mann.

Unzuverlässig bis verrückt:

Der lange Liebesbrief des einen Schweizers und dessen Kommentierung durch den anderen Schweizer widersprechen sich. Gelegentlich rasten oder klinken sich Akteure völlig aus, mehrere Nebenfiguren müssen in die Nervenheilanstalt

Humor und Englisch:

Der mehrfach unterbrochene Liebesbrief des Schweizers an die Irin Mary nimmt gut die Hälfte des Büchleins ein und ist in leicht unbeholfenem Englisch verfasst. Daraus soll offenbar Humor entstehen, doch der Ton überzeugt nicht: Der Brief klingt zumeist nach passablem Schüler-Englisch, nur gelegentlich mit kleinen Fehlern wie „it hurted“, andererseits mit anspruchsvollen korrekten Ausdrücken wie „daily pap“, „devoured“, „chastity“ oder „malediction“.

Ich entdecke keinen speziellen Duktus eines Deutsch-Muttersprachlers. Anders als viele Rezensenten meine ich, dass auch Nicht-Deutsch-Sprecher dieses mild ungewöhnliche Englisch mühelos verstehen.

Humor soll offenbar auch die Liebesraserei der beiden Männer liefern, erreichte mich aber nicht, es wirkt nur dämlich übertrieben (verrückt).

Assoziation:

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