Romankritik: Unter Einzelgängern, von Christopher Kloeble (2008) – 4 Sterne – mit Pressestimmen


Die Handlung ist nicht ohne Finesse und phasenweise spannend mit zwei kleinen, gutbürgerlichen Familien und einer Geschichte in der Geschichte. Sie kreist aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen immer wieder um dieselben traumatischen Ereignisse. Ich habe nicht alles komplett verstanden, und meines Erachtens gleitet das Buch gegen Ende in ein irrelevantes Fabulierspiel ab (aber ich kann mich irren). Die Figuren der Mutter und einer Tochter hatten wunderliche Züge (wie auch einige Frauen in Kloebles 2009er-Erzählungsband Wenn es klopft zu Bizarrem neigen).

Kloebles Sprache bleibt unauffällig lesbar. Gelegentlich baut er Dialoge ein, indirekte Rede fällt nicht auf, Humor auch nicht (außer beim Namen der Hauskatze).

Kloeble (*1982) reitet wieder und wieder auf tragischen Todesfällen und den Verstörungen im Familienkreis herum. Es strengt wirklich an. Eine wichtige Rolle spielen bei ihm auch Selbstbefriedigung und Sperma sowie Blut; Babyfäkalien rangieren dagegen abgeschlagen.

Kloeble studierte an der bekannten Romanproduktionsakademie Leipzig (Wikipedia-Link). Vermutlich bei seinem dortigen mutmaßlichen Lehrer Treichel und dessen Romanprodukt Der irdische Amor lernte Kloeble die wichtigsten Romanproduktzutaten:

  • Jungmännerselbstmitleid in Unistädten
  • Jungmännerselbstmitleid in der Provinzheimat
  • Jungmännersekrete
  • fad beschriebene Erotik
  • strikt nicht-chronologische Erzählung

Hintergrund dazu: Die Studenten der Romanproduktionsakademie Leipzig studieren so fleißig, dass sie keine Zeit haben, ins Leben zu treten und Romane zu recherchieren. Sie schreiben darum über sich selbst – über Jungmänner in Unistädten und in der provinziellen Heimat. Und so agiert in Kloebles Erstling Unter Einzelgängern auch tatsächlich ein Student der Romanproduktionsakademie Leipzig, der in einer bayerischen Kleinstadt aufwuchs. Weil das nicht reicht, gibt es noch eine weitere Figur, die den verballhornten Namen des Autors trägt. Auch andere Romanfiguren erinnern an Kloebles Familie.

Die etwa 165 luftig bedruckten Seiten der dtv-premium-Ausgabe sind schnell gelesen. Ihnen folgt eine Danksagung an „Carolina Franzen…, außerdem Anna, Antje und Ulla“ sowie „von ganzen ((sic)) Herzen Til“. HansBlog.de meint: Carolina, Anna, Antje, Ulla und auch Til sollten Christopher noch mal sagen, dass sich sein Content beim Essen nicht gut liest.

Pressestimmen:

Die Zeit:

Im Verlauf des Buches fragt man sich zusehends: Was ist Realität und was Fiktion? Diese Zweideutigkeit macht Kloebles Debüt spannend

Frankfurter Allgemeine (bei Buecher.de):

Eine Erkundung der Struktur der Familie in wiederholter Spiegelung… dezent autobiographisch grundiert… Christopher Kloeble beschreibt die Trennungs- und Verbindungserfahrungen in einer raffinierten Konstruktion, die dem Leser einige Aufmerksamkeit abfordert. Das ist so komisch wie bewegend, aber fast gänzlich unsentimental und ergibt in der Summe ein handwerklich erstaunlich versiertes und, von ein paar Faxen abgesehen, geschmackssicheres Debüt.

Süddeutsche (ebf. bei Buecher.de):

Ein böses Wort kursiert seit einigen Jahren in der deutschsprachigen Literaturkritik, wenn es darum geht, eine bestimmte Form von literarischer Weltwahrnehmung zu kategorisieren und gleichzeitig ein Negativurteil darüber zu fällen: „Schreibschulenprosa”. Gemeint ist jene Sorte von Texten von Absolventen des Deutschen Literaturinstituts (DLL) in Leipzig, in denen so gut wie nichts passiert… ist es ein Roman, dem man das handwerklich Arrangierte, das gut Gemeinte auf beinahe jeder Seite anmerkt, sehr zu seinem Nachteil… ein ästhetisch ausgesprochen spannungsarmes Buch

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