Romankritik: Sonntag, von Georges Simenon (1958) – 7 Sterne

Aus Zufall geriet Emil in jungen Jahren als Koch in ein südfranzösisches Gasthaus, heiratete wie erwartet die kühle Tochter des Hauses, wurde damit Inhaber und unerfüllter Ehemann. Er tröstete sich mit der geheimnisvollen Küchenhilfe Ada, „ein wenig wie ein Tier…, zugleich sein Hund und sein Sklave“. Schließlich aber will Emil etwas Wesentliches ändern.

Diese Geschichte erzählt Georges Simenon (1903 – 1989) nicht chronologisch. Die Haupthandlung des Buchs spielt an einem einzigen Sonntag und fokussiert auf Emil. Immer wieder gibt es lange Rückblenden auf ihn und andere Beteiligte. Und immer wieder deutet Simenon überdramatisch Bevorstehendes an: „Noch drei Stunden, dann war alles entschieden“.

Was jedoch geschehen soll und ob Emil dann überhaupt der Hauptakteur ist, das verrät Simenon in der ersten Buchhälfte nicht, auch wenn er Vermutungen nahelegt. Dieses dräuende Andeuten in der ersten Buchhälfte erscheint aufdringlich und abgeschmackt. Vielleicht hätte Simemon das sogar selbst gemerkt, wenn er seine eigenen Romane nur korrekturlesen und/oder einen Lektor dranlassen würde.

Andererseits liefert Simenon in den Rückblenden viel reizvolles Lokalkolorit aus dem ländlichen Frankreich, vor allem Südfrankreich, und wie fast immer gehören dazu auch viele lebensechte Details, glaubwürdige Figuren und keine unglaubwürdigen Zufälle. Besser als Leipzigerschulemurks also allemal.

Und vor allem im letzten Drittel, wenn erzählte Jetztzeit und Rückblenden zusammenfließen, erhält der Roman einige Spannung – und ein überraschendes Ende.

Freie Assoziationen

  • Eine karge Haupthandlung, die sich über wenige Stunden oder Tage erstreckt, aber mit langen Rückblenden durchsetzt ist, liefert Simenon auch im Roman Betty. Beide Romane zeigen auch folgenträchtiges außereheliches Treiben auf ehelichem Grund.
  • Das überraschende Ende erinnert inhaltlich und dramaturgisch etwas an Simenons Der Zug.

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