Romankritik: So, und jetzt kommst Du, von Arno Frank (2017) – 7 Sterne

Mehrfach habe ich laut gelacht, das passiert nicht oft, gefällt mir aber sehr. Weiterer Vorteil: Arno Frank garniert die angeblich „wahre Geschichte“ seiner Familie, die aber doch als Roman figuriert, mit vielen packenden Details – Süßigkeiten und Spielzeug der 1980er und 1990er Jahre, extralange Eisenoxid-Musikkassetten, zeitgenössische Fernsehsendungen und Sprüche, Ereignisse wie Space Shuttle und Tschernobyl (sogar die Bauhaus-Schrift für Buchtitel und Kapitelüberschriften erinnert an frühere Jahrzehnte und circa CorelDraw 6).

Zudem klingt die Story, die von Deutschland über Südfrankreich nach Portugal und zurück führt, einigermaßen spannend, selbst wenn die Hauptfiguren meist nur rumsitzen – in der Pfalz, in Golfe Juan, in Lissabon.

Der Ich-Erzähler ist ein Teenager mit unschuldig naivem Ton, der sich kinderleicht lesen lässt – die etwa 350 Seiten plätschern mühelos vorbei. Die Sprache ist unauffällig gut, gelegentlich etwas kunsthandwerklich zu clever. Das erinnert deutlich an ein anderes erfolgreiches Buch mit jugendlicher Hauptfigur. Ja, So, und jetzt kommst du klingt durchaus etwas nach Tschick von Wolfgang Herrndorf. Aber Tschick gefällt mir besser (obwohl es nicht ganz so lustig ist).

Ein paar Dinge, die mich bei So, und jetzt du kommst nämlich doch störten:

  • in der ersten Buchhälfte lebt die Frank-Familie weit über ihre Verhältnisse; doch die Zaunpfähle, die den bevorstehenden Absturz andeuten sollen, schnitzt der Autor viel zu dick
  • manche kleinen Episoden fügen sich nicht recht ins Großeganze, wirken wie Fremdkörper; entweder mochte Frank dieses Details seiner Familiengeschichte partout nicht rauslassen oder der Fremdkörper steht im Buch, weil er sich mit einem starken Einzeiler schließen lässt
  • Vater und Mutter wirken in ihrer reichen Lebensphase ein wenig eindimensional zu materialistisch und teils zu kriminell, sie denken nur an Kleidung, schicke Autos und Geldausgeben; sie reiten ihre Familie durch massive Dummheit immer tiefer ins Schlamassel; der nicht dumme, jugendliche Ich-Erzähler nimmt viel zu lange alles lammfromm hin; insgesamt nicht so realistisch

Doch bei aller Kritik: Spiegel-Autor Arno Frank liefert mit So, und jetzt kommst du einen weitaus besseren Roman als Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen mit Was zusammengehört.

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