Romankritik: Sandstrand, von Janosch (1979) – 6 Sterne – mit Pressestimmen

Auweia. Mittelalter Mann (Janosch, ca 48) schreibt über alten Mann (Karl, denkt viel an den Tod), der sich junges Ding angelt (Elia, 24, Künstlernatur) und mit ihr nach Sizilien fährt. Im Bett steht er seinen Mann, meist, aber exklusiv hat er Elia nicht.

Was für eine Altherrenfantasie. Bei Martin Walser, Tom Wolfe, John Updike oder Paul Theroux geht sowas in die Hose. Zum Glück sind wir hier bei Janosch (*1931).

Karl grantelt, mag Alleinsein, weigert sich Liebe zu empfinden, geht nicht auf jeden Leim. Karl erkennt überdeutlich auch Elias unsympathische Seiten, macht aber seine profunden Geldreserven verfügbar und wendet sich nicht ab:

„Sie hatte einen prallen, gesunden Leib, zwei kleine Brüstchen, war wie eine Weintraube, war dem straffen Gang nach sinnlich wie ein Kosakenpferdchen“ (S. 10).

Aber: Das Pferdchen erweist sich zunehmend als unangenehm egoistisch und eher hohl (wollte sich Janosch mit dieser Beschreibung bei jemandem rächen?). Die Strände, Zimmer, Kellner und Vermieter auf Sizilien entpuppen sich als schäbig. Noch schlimmer sind Karls Kriegserinnerungen und aktuelle Schmerzen, auch die horizontale Performanz gerät in Mitleidenschaft.

Janschon schreibt trocken, lakonisch, momentweise banalvulgär, unromantisch – allerdings auch unspannend. Er räsonniert liebenswert in der dritten Person, aber immer aus Karls Sicht; eine Geschichte entsteht dabei nicht.

Nichts Großes passiert. Allenfalls entsteht die Frage, ob die zwei Ungleichen am Ende der sehr kurzen Erzählung noch beisammen sind.

Federleichte, berührend komische Literatur…“ – die Kritik:

Sybil Gräfin Schönfeldt, Die Zeit:

Da ist nichts mehr von seinen bisherigen Manierismen, Da werden Personen und Zustände knapp, oft boshaft, meistens treffend beschrieben, daß man seine männlichen Sentimentalitäten um den alten Karl, den Trapper Hemingway aus Schwabing, in Kauf nimmt.

Süddeutsche Zeitung:

In seinen Romanen, etwa in Sacharin im Salat oder Sandstrand, verwandelt er seine Lebenserfahrung in federleichte, berührend komische Literatur. Als Literat ist Janosch auf eine weise Art unterhaltsam, die er im realen Leben vermissen lässt.

Buchkritik.at:

Der als alter, weiser Mann beschriebene Karl selbst wirkt irgendwie nicht recht glaubwürdig. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für diesen so ausgeglichen und bedürfnislos beschriebenen Mann, sich das Zusammenleben mit einer derart egoistischen Schnorrerin anzutun.

Thüringische Landeszeitung:

Voll zarter Episoden und Betrachtungen aus Lebensweisheit, Toleranz und Liebe zum einfachen Sein. Ein Buch, das glücklich macht, traurig, dann wieder ganz selig.

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