Romankritik: Kochen mit Fernet-Branca, von Lewis Hamilton-Paterson (2004, engl. Cooking with Fernet Branca) – 6 Sterne

James Hamilton-Paterson erzählt hochintelligent-witzig von zwei Ausländern auf einem einsamen Hügel in der Toscana. Der Autor spielt mit Toscana- und Dolce-Vita-Klischees. Der Witz entsteht nicht aus der Handlung oder aus den Dialogen, sondern aus selbstironischen und gebildeten Bemerkungen des Ich-Erzählers und aus den absurden Rezepten für geräucherte Katze und ähnliche Delikatessen.

Der Humor geht jedoch fast unter in den Mängeln des Romans: Der Autor erzählt eine sehr unrealistische, fast jamesbondige Geschichte mit unerwarteten Hubschrauberlandungen im Hinterhof, Begegnungen mit Popstars und Kultregisseuren, ein Seitenstrang spielt in einer slawischen Familie.

Die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren ist völlig unklar, die weibliche Hauptfigur insgesamt bleibt gänzlich undefiniert; und doch riecht man das Ende auf 250 Seiten Entfernung. Als Hauptfiguren kredenzt Hamilton-Paterson den Autor Gerald Samper und eine Komponistin – als ob es der Verfasser es nicht schaffte, über den Tellerrand zu blicken und alltäglichere Menschen zu beschreiben.

Assoziationen:

  • Hamilton-Paterson setzte Gerald Sampers Geschichte fort in den Büchern Amazing Disgrace (2006) und Rancid Pansies (2008). Ich habe Amazing Grace angelesen – es trieb den Aspekt „Selbstverliebtes Geschwafel ohne Handlung“ scheinbar auf die Spitze, die zweite Hauptfigur Marta war scheint’s nicht mehr dabei; da habe ich das Buch schnell weggelegt und den dritten Teil nicht mehr probiert.
  • Keinerlei Parallelen gibt es zu Hamilton-Patersons Philippinen-Buch Wasserspiele.

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