Romankritik: Glücklich die Glücklichen, von Yasmina Reza (2013) – 6 Sterne – mit int. Presse-Links

Ein gutes Dutzend Hauptfiguren mit gleichberechtigten Anteilen hat der kurze Roman. Einige Ehepaare zanken ungut und betrügen sich. Ohnehin gibt es viel Rechthaberei und Machtspiele, außerdem einen Psychiatriefall, Stricherbesuche mit bezahltem Geschlagenwerden, Kindesmissbrauch, Krankheiten und Streit über Beerdigung versus Einäschern.

Yasmina Reza produziert 21 Kapitel mit je sieben Seiten und 18 verschiedenen Ich-Erzählern. Die Beziehungen zwischen den Figuren werden erst nach und nach deutlich, wer mit wem befreundet oder heimlich liiert ist. Gelegentlich erinnert der Wechsel der Figuren an Arthur Schnitzlers Reigen.

Ich hatte nicht immer den Überblick über die gesamte Menagerie und hätte gern ein Organigramm gesehen. Natürlich könnte man den Roman auch zweimal lesen – ein Gedanke, der mich schon bei Rezas früherem, weit übersichtlicher angelegten Roman Adam Haberberg anfiel, den ich hier aber wegen der kratzigen Materie nicht weiter verfolgte. .

Glücklich die Glücklichen heißt im Original Heureux les heureux, übersetzt aus dem spanischen Felices los felices, einem Teil des Roman-Mottos. Die Eindeutschung aus dem Französischen klang mir manchmal nicht alltäglich genug, wie zu wörtlich übersetzt.

Innerhalb der Kapitel schreibt Reza ohne jeden Absatz. Vielleicht hat sie beim Tippen ihrer Theaterstücke eine Abneigung gegen Absätze entwickelt?

Ja, Reza zeigt Gutbürgerliche au bord de la crise de nerfs. Sie streiten sich im Supermarkt über Käsesorten, bis aufs Blut. Aber die Erfolgsautorin überfrachtet ihr kurzes Stück auch mit vielen harten Themen (s.o.), die etwas wie Modeschmuck wirken, und mit einer unübersichtlichen Struktur. Die französische Kritik war begeistert.

„Verrat und Verbrüderung…“ – deutschsprachige Kritiker:

Süddeutsche Zeitung zum Hörbuch:

Niemand versteht es derzeit so gut, die Fragilität der bürgerlichen Institution aufzuzeigen, wie Yasmina Reza…

Süddeutsche Zeitung zum Roman:

unwiderstehlich abgründigen Humor Yasmina Rezas… in allen Registern von Komik und Bitterkeit brillant…

Frankfurter Allgemeine:

…insgesamt einfach zu viel Psychologie und Beziehungstalk, während die Prosapassagen im Gegenzug merkwürdig unanalytisch bleiben…

Die Zeit:

Warum kann eine so kluge Schriftstellerin keine besseren Bücher schreiben?

Der Spiegel:

Rezas Talent, immer genau die eine Nichtigkeit zu finden, die die kultivierte Fassade ihrer Figuren nach Jahren der Anstrengung einstürzen lässt

Frankfurter Allgemeine zum Erscheinen des französischen Originals:

Verrat und Verbrüderung vollziehen sich auf nicht einmal zwei Buchseiten.

Berliner Zeitung:

Mit der Empfindlichkeit eines Seismographen, witzig, schonungslos, psychologisch versiert, mit lustvollem Sinn für die Sprengkraft von Alltagsbanalitäten

Deutschlandfunk:

Das legt einen Vergleich mit der ziselierten Prosa des deutschen Dramatikers Botho Strauß nahe: Yasmina Reza ist leichter, direkter und gefälliger

Rheinische Post:

jeder Monolog eines Charakters schildert bloß diverse Variationen von verkorksten Beziehungen – zu sich selbst oder anderen Menschen

Berliner Morgenpost:

Zuweilen hat man ein wenig Schwierigkeiten, sich zu erinnern, wer jetzt hier noch einmal wer war… als sei es das Skript für eine Screwballkomödie.

„A quick and delicate book that’s as funny as it is humane “ – englische Kritiken:

Observer:

… most excels when it explores the roots of unhappiness… moments of intense drama, exhibiting the tensions and conflicts crackling through lives…

New York Times:

…a quick and delicate book that’s as funny as it is humane… Everyone gets a word in, and the style is feathery as gossip.

Wall Street Journal:

“Happy Are the Happy” has had the unusual distinction of appearing in two different English translations within the space of a few months

The Ecconomist:

a cumulative power that amplifies her themes of isolation and mutual misunderstanding. The chapters make satisfying miniatures

  • Goodreads: 3,39 von 5 Publikumssternen, 696 Stimmen, August 2015

Kirkus Reviews:

limited punctuation and no paragraphing… No one is exactly the central protagonist here… difficulty in keeping track of the names…

Der Interviewer der Paris Review zu Reza:

I was stunned at how your characters take shape seemingly instantaneously. As soon as they appear on the page, you’ve answered who, when, where.

The New Yorker:

With implacable wit and a dramatist’s sense of timing, Reza offers snapshots from the psyches of eighteen characters

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