Romankritik: Dreigroschenroman, von Bertolt Brecht (1934) – 7 Sterne

Bertolt Brecht schreibt aus dem Geschlechts- und Geschäftsleben von Händlern und Kriminellen in London um 1904 – bei Brecht ist das alles kein Unterschied, und mit vielen scheinbar absurden, zynischen, widersprüchlichen und menschenverachtenden Sätzen und Manövern verkörpern die Figuren vermutlich Brechts soziale, wirtschaftliche und  politische Ansichten (S. 244 in der Suhrkamp-TB-Einzelausgabe):

Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was… ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?

Es klingt nie vollends platt programmatisch oder proklamatorisch, aber auch nicht ganz realistisch – episches Theater? Ganz verstanden habe ich die vielen betont abstrusen Manöver der dubiosen Geschäftsleute, Ganoven, Polizisten, Pfirsichdamen und Marinestaatssekretäre nicht. Dialektische Sophistereien.

Brecht haucht seinen Figuren und dem Plot gerade so viel Leben ein, dass man dabeibleibt, auch wenn man kein Brechtforscher, Brechtanhänger oder linker Soziologe ist. Der Sound: trocken-nassforsch, schnodderig-nüchtern, nie blass, aber manchmal auch wie eine leicht verstolperte Übersetzung aus dem Englischen.

Ein paar sprachliche Fehler und Merkwürdigkeiten fallen auf:

…damit Herr Coax niemanden seine Wohnung bekanntgeben mußte (statt niemandem; S. 35)

Tonnenraum (statt Tonnage, bei Schiffen; S. 36)

Herr Coax hielt es noch nicht an der Zeit, … (statt für noch nicht; S. 58)

…die Schneikunst der Wolken im Winter… die Zerschmetterkunst der Sturmwogen (S. 200)

Natürlich ist es ein Schade für die Hinterbliebenen ((…)) auch für mich ein Schade (S. 334, in wörtl. Rede)

…Beschaffenheit des Ei’s (S. 349)

…einfach notwendig, das ((sic)) einer das übernimmt. (S. 355)

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