Romankritik: Drei Männer in einem Boot, von Jerome K. Jerome (1889, engl. Three Men in a Boat) – 7 Sterne – mit Videos

Von einer Themse-Bootsfahrt mit vielen kleinen Pannen erzählt Jerome K. Jerome (1859 – 1927) slapstick-artig, gleichwohl englisch nobel und selbstironisch ohne zu dick aufzutragen. Ich habe mehrfach laut gelacht (ich kenne nur das englische Originalbuch).

Allerdings nimmt die Bootsfahrt nur den kleineren Teil des eher kurzen Romans ein. Der Autor berichtet immer wieder völlig andere Erlebnisse und Begegnungen, gelegentlich schiebt er auch touristische und historische Informationen oder Naturschwelgereien ein. So wirkt das Erfolgsbuch wie ein Anekdotenreigen, dem man in der Kneipe lauscht. Es gibt keine Entwicklung, keine Spannung – und fast keine Frauen, außer als Wasserleiche. Gedacht war der Text offenbar ursprünglich als Führer für Themsepaddler.

Meine englische Penguin-Ausgabe enthält auch Jerome K. Jeromes späteren Roman Three Men on a Bummel (der in Deutschland spielt), ein gelehrtes Vorwort, Landkarten und zu knappe Anmerkungen zum Text – ich hätte gern mehr historische Erklärungen gesehen, auch Erklärungen zur Bauweise des Boots und zu den Themse-Schleusen.

Der Roman wurde mehrfach verfilmt, u.a. 1956, 1961 mit Heinz Erhardt (1. Video unten) und 1976 amüsant von Stephen Frears und Tom Stoppard für britische Fernsehen (2 Video unten).

Assoziationen:

  • Die Jeeves-Romane von P.G. Wodehouse wie Ohne mich, Jeeves – wegen der englischen Snobs auf dem Land; Wodehouse trägt die Satire aber viel dicker und schematischer auf
  • Einige Fontane-Romane wie Cecile, Irrungen, Wirrungen und L’Adultera wegen der Landpartien gutsituierter, junger Städter (bei Fontane Berlin) und gelegentlichen Bootspartien in derselben Epoche wie die Drei Männer in einem Boot; anders als Jerome K. Jerome bringt Fontane jedoch mehr boy-meets-girl
  • Jeromes eigene Fortsetzung, Drei Männer auf einem Bummel (1900) – mit dem selben Personal und vergleichbaren Abschweifungen, diesmal auf Fahrradtour im deutschen Schwarzwald und mit etwas Eheleben, der Humor teils verfeinert, teils grotesker
  • Robert Louis Stevensons (1850 – 1894) eigene Flussfahrt in Binnenlandfahrt/An Inland Voyage (1878)

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