Rezension: Der langsame Tanz, von Thommie Bayer (Roman 1998) – 5 Sterne


Die Geschichte wirkt hochgradig konstruiert und implausibel: So treibt es Hauptfigur Martin fast grundlos nach Rom – und in wenigen Tagen hat er einer fast Unbekannten sein Auto geliehen, wohnt andererseits im Haus eines fast Unbekannten, leiht einem anderen fast Unbekannten 20.000 Mark (an die Martin sehr überraschend gekommen war) und hat damit bald auch schon wieder viel Geld verdient:

„Am Ende der Woche besitzt er über neunzigtausend Mark mehr.“

Hübsch. Auch dass Martin der zentralen Frau der Geschichte verfällt, überrascht – sie mag zwar einen Playboy-tauglichen Körper haben, doch er hält sie selbst erst einmal für eine egozentrische Dampfplauderin. Und so geht es weiter, immerhin wird es zunehmend zwar nicht realistischer, aber doch erotischer, und immer spannender. Über einen Mangel an Handlung kann man sich bei Thommie Bayer wieder einmal nicht beklagen – eher über ein Zuviel.

Der Roman springt beständig zwischen zwei Zeitebenen: einige Kapitelchen lang kennt Martin die Frau noch gar nicht, in anderen Kapiteln hat er sie schon verlassen. Indem er so die natürliche Handlung immer wieder unterbricht und Andeutungen auf spätere Stadien liefert, steigert Thommie Bayer die Spannung. Dieses Bauprinzip verwendet Bayer auch in anderen Romanen.

Interessant ist dabei nur, dass die vielen kurzen Kapitel zwar nicht chronologisch erscheinen, aber chronologisch nummeriert sind. So beginnt das Buch mit den Kapitelchen 26 und 27, dann folgen in dieser Reihenfolge die Kapitel 1, 28, 2, 29, 3, dann Kapitel 30.

Die Sprache klingt bieder und betulich, einmal auch vulgär – später wurde Bayer etwas besser. Spannend ist das alles trotzdem, und ich habe das schmale Bändchen schnell ausgelesen.

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