Romankritik: Cold Spring Harbor, von Richard Yates (1986) – 7 Sterne

Überwiegend schildert Yates Teens und Young-Twens in und um New York. Aber auch einige ältere Herrschaften rücken zeitweise in den Vordergrund, teilweise benehmen sie sich schmerzhaft peinlich, vor allem wenn sie die Alkoholzufuhr nicht bremsen können – Fremdschämalarm.

Yates ist etwas unfokussiert, nicht immer weiß man, wer die Hauptfigur ist, und zur Buchmitte scheint der Fokus ganz zu verrücken, auch mit völlig neuem Personal. Dazu kommt – ungewöhnlich für Yates – ein seltsamer Zufall, bei dem zwei Familien unbewusst gleichzeitig eine dritte Familie spontan besuchen. Merkwürdig auch, dass die frühe Hauptfigur Evan als perfekter Autotüftler beschrieben wird, doch in einem handlungentscheidenden Moment sein Auto nicht selbst in Ordnung bringen kann, nicht einmal dessen Zustand erahnt.

Doch wie immer beobachtet Richard Yates sehr genau, bringt nicht sehr pointierte, aber hochrealistische Dialoge, trostlosen Alltag und peinliche Figuren.

Der Roman heißt auf Deutsch und Englisch Cold Spring Harbor, ich kenne nur das englische Original in der Vintage-UK-TB-Ausgabe.

Yates schreibt hier für seine Verhältnisse teils sehr schmalzig:

…lying awake and restless in her fragrant bedroom (S. 9)

„Oh, Evan“, she said. „Oh, Evan.“ (S. 10)

Die Liebe klingt jedoch hier genauso stumpf neanderthal wie etwa in Yates‘ Eine strahlende Zukunft („run his hand up the inside of her leg“, S. 32). und Männer gerieren sich gewohnt ranzig im Angesicht holder Weiblichkeit („He got up, belched deeply…“, S. 174).

Freie Assoziationen

Bei anderen Richard-Yates-Romanen assoziiere ich eher seine eigenen weiteren Werke, dazu David Gates und evtl. F. Scott Fitzgerald; dieser Roman Cold Spring Harbor erinnert mich jedoch im deutlicher säuselnden Ton mehr an Paula Fox, nicht zuletzt an ihr Was am Ende bleibt, das ebenfalls in weniger glamourösen Teilen New Yorks spielt

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