Romankritik: Betty, von Georges Simenon (1960) – 5 Sterne – mit Video

Betty ist 28, verheiratete Mutter von zwei Kindern, hohle Nuss und Psycho-Nympho. Noch nichtmal eine femme fatale, auch wenn Georges Schwerenöter Simenon (1903 – 1989) das vielleicht anders sah.

In der erzählten Hauptzeit des Romans passiert nicht viel: Betty säuft sich unter den Tisch, wird ein bisschen aufgepäppelt und ganz am Ende überraschend noch einmal ihrem Ruf gerecht.

In kleinen Rückblenden erfahren wir von Bettys ungezähmtem Männerverbrauch und wie sie dabei ihre Ehe ruinierte – warum musste sie es denn auch daheim „auf dem Sofa im Salon“ außerehelich treiben, mit Schwiegermama ante portas?

Für Simenon-Verhältnisse ist dieser Nicht-Maigret sehr handlungs- und eher figurenarm, und er spielt ausnahmsweise in einer öd distinguierten oberen Mittelschicht ohne interessante soziale Einblicke (dazu ein paar ungeerdet kauzige Nachtschwärmer). Georges Simenon geriert sich als doppelter Frauenversteher und schreibt sich vermutlich mit Lust die Erinnerung an gewisse Frauen und Lokalitäten von der Seele – mein eigener Spaßgewinn hielt sich streng in Grenzen.

Verfilmt 1992 von Claude Chabrol mit Marie Trintignant (s. Trailer unten).

Freie Assoziationen

  • Eine Frau zieht melodramatisch alkholverbrauchend durch nächtliche Großstadtkneipen, das erinnert vage an Simenons ähnlich pathetisches Drei Zimmer in Manhattan.
  • Eine karge Haupthandlung, die sich über wenige Stunden oder Tage erstreckt, aber mit langen Rückblenden durchsetzt ist, liefert Simenon auch im Roman Sonntag. Beide Romane zeigen auch folgenträchtiges außereheliches Treiben auf ehelichem Grund.

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