Romankritik: Adam Haberberg, von Yasmina Reza (2007) – 7 Sterne – mit internat. Presse-Links

Die Erfolgsdramatikerin Yasmina Reza greift ein global relevantes und sehr populäres Thema auf: Die Schriftstellerin schreibt über einen Schriftsteller in der Krise. Adam Haberberg, 47, greint das ganze (kurze) Buch hindurch. Krankheiten plagen ihn, die Gattin ist lieblos, und die Kritiker haben sein drittes Buch kaum mehr ignoriert, so dass er – Schmach über Schmach – Groschenhefte texten muss, Der schwarze Prinz von Mea-Hor und dergleichen.

Haberbergs Gedankenstrom ödet nicht nur an, der Kerl widert auch an: Mit seinem schmierigen Kumpel Albert diskutiert er telefonisch die Oberweite seiner Frau, und das während diese zuhört. Yasmina Reza zeichnet einen ekligen Versager.

Unterhaltsam abstoßend:

Im Buch passiert nicht viel. Gleichwohl füllt Reza den Kurzroman mit einem unterhaltsam abstoßenden Gedankenstrom – Haberbergs Selbstmitleid und das banale Geplauder der anderen über ihr Patenkind, ihre Küchengeräte und ihren Vertreterjob. Und bis zuletzt könnte sich ja doch noch etwas ereignen.

Das Familienleben des frustrierten Literaten erscheint ebenso trostlos wie das Vorstadt-Singledasein der Klassenkameradin. Die schriftstellerische Schaffenskrise erscheint hier weniger eitel als in anderen Schriftsteller-Romanen, weil Reza offenbar weniger aus ihrer eigenen Biografie schöpft, sondern mit dem Absinken in die Groschenheft-Branche einen humorvollen Aspekt hineinbringt.

Einige kleinere Schwächen:

  • Zwar wirkt die deutsche Übersetzung weitgehend robust und unauffällig, doch gelegentlich erschienen mir Ausdrücke zu gewählt, u.a. „Darlegung“
  • am Anfang erscheint aufdringlich oft das Sch…-wort, aber ich weiß nicht, ob das den Übersetzern oder der Autorin zu verdanken ist
  • zu oft verwendet Reza die Stilfigur, dass Haberberg einen bestimmten Satz nicht aussprechen will, ihn dann aber prompt doch äußerst
  • die Tristesse der Vertreterin mit grauem Vorort, banalem Gerede, Scheidung, ungewollter Kinderlosigkeit usw. usw. wird zu dick aufgetragen
  • Haberbergs eigene Triple-Malaise aus Krankheit, Ehe, Beruf ist auch nicht dezidiert subtil

„Amüsanter Snap-Shot der Generation Mitte vierzig“ – deutschsprachige Kritiker:

Die Zeit, Iris Radisch:

Wenn man diesem perfekten, kleinen, lebensechten Dramolett überhaupt irgendetwas vorwerfen wollte, dann ist es nur die redselige Wohligkeit

Frankfurter Allgemeine Zeitung:

Nicht ohne Humor begleitet Yasmina Reza den Weltverlust ihres Helden.

Deutschlandfunk:

Jede optimistische Lesart einer Lebenssituation wird negiert… So brilliert Yasmina Reza einmal mehr als Ökonomin ihrer Mittel: kleine Ursache, große Wirkung.

Falter:

ein treffender, amüsanter Snap-Shot der Generation Mitte vierzig

Literaturkritik.de:

souveräne Handhabung der Sprache bei der Darstellung innerer Zustände. Knapp formuliert sie, knapp bleibt auch die Handlung

Brief, poignant and bitterly funny“ – englischsprachige Kritiker:

Los Angeles Times:

it is all the more impressive that this novel rolls along so quicklyAdam Haberberg is brief, poignant and bitterly funny

New York Times, Michiko Kakutani:

Polished, pared-down, professionally turned production that appears to tackle big ideas — Time, Mortality, the Possibility of Human Connection

New York Times Sunday Book Review:

This captivating and often amusing portrait of a man in emotional distress… Reza deftly adopts Adam’s point of view while allowing us to see more clearly than he can

Publishers Weekly:

In her penetrating, repetitive monologue, Reza collapses Adam’s entire sense of himself, and renders his ordinariness touching, even majestic.

Kirkus Review:

Ultimately a tour de farce, a writer’s mockery of a writer’s vain ambitions, intellectual pretensions and emotional narcissism

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