Roman: Willkommen auf Skios, von Michael Frayn (2012) – 6 Sterne

Michael Frayn, gefeierter Autor u.a. der zum Brüllen komischen Theater-Farce Noises Off, wagt ein Experiment: Funktioniert eine Farce auch als Roman? Und wenn ja: Wieviel Verwechslung, Chaos, peinliche Begegnungen passen in einen eng abgesteckten Farce-Roman?

Das Ergebnis des Experiments: Der Roman Willkommen auf Skios (englisch Skios), nur knappe 280 Seiten lang, die Handlung spielt sich innerhalb von zwei Tagen auf einer zwölf Kilometer langen Insel ab.

Und noch eine Verwechslung:

Das Buch ist oft lustig, ermüdet aber auch: noch eine Verwechslung, noch ein kleines Desaster, noch ein Handy im Swimming Pool, noch ein Koffer im Straßenstaub, noch ein vorzeitig gescheitertes Liebesspiel, noch eine Taxifahrt quer über die Insel à 32 Euro mit noch einem Griechendepp (oder ist es derselbe wie vorher?), noch weniger Nachvollziehbarkeit. Die Hauptfigur Oliver Fox ist zudem zu blass gezeichnet, sein Hintergrund bleibt völlig unklar.

Dabei hat Frayn sein Material gut im Griff: Die meisten Verwechslungen und Taxifahrten konnte ich mitvollziehen, nur wie die Pässe vertauscht wurden – da muss ich passen.

Es fängt schonmal gut an:

Entzückt war ich von den ersten etwa 50 Seiten. Hier konzentriert Frayn sich ganz auf nur zwei seiner Hauptfiguren in fein ziselierten, doppelbödigen Sätzen und mild boshafter Beschreibung, garniert mit elegant maliziösen Seitenhieben auf Wissenschafts- und Seminarwesen (ich hatte die englische Ausgabe).

Doch nach und nach landen die weiteren Knallchargen auf Skios, und der Roman wird zum überdrehten Leierkasten, den ein scheint’s überkoffeinierter Autor immer schneller und schneller kurbelt – bis er ganz durchdreht, mit einem sinnlos scheppernden Ende, wenn auch stets nonchalant formuliert. Ich habe es amüsiert, doch ohne Anteilnahme, gelesen.

Noises Off bleibt das Maß der Dinge. Doch so wie man Noises Off nicht lesen, sondern auf der Bühne sehen sollte, so gehört Skios nicht zwischen Buchdeckel, sondern auf die Leinwand, als flockig flotte Komödie à la What’s up, Doc. In der Filmdatenbank IMDB ist von Skios noch nichts zu entdecken (Stand September 2014, IMDB-Suche nach Michael Frayn), vielleicht weil das Thema Bildungsbetrieb kein Budget generiert und die Hauptfiguren über 30 sind.

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