Romankritik: Lachsfischen im Jemen, von Paul Torday (2006) – 7 Sterne

Die Idee ist reizvoll – ich meine die interessante Handlungsidee und die Präsentation quasi ohne Erzähler, sondern nur durch Wiedergabe von fiktiven E-Mails, Interviews und Tagebucheinträgen. Der Autor ist offenkundig auf die britische Regierung (wohl ein Blair-Kabinett) nicht gut zu sprechen, und ein paarmal habe ich laut gelacht über die Politsatire.

Diese Schwächen fielen mir auf:

Paul Torday überfrachtet seinen Erstling aber auch in mehreren Punkten: Wir erfahren zu viel über Lachse und zu viel über Glaube und Hoffnung. Der weise Scheich kommt zu heiland-artig daher. Es gibt eine Nebenhandlung im Iran und Irak – also kulturell und geographisch nicht so weit vom Yemen entfernt, dem Ort der Haupthandlung; die Nebenhandlung wird aber nie mit der Haupthandlung zusammengeführt, das wirkt schwach.

Die langen fiktiven Tagebucheinträge und Interview-Aussagen klingen wenig authentisch, sondern nach einem ganz normal geschriftstellerten Ich-Erzähler. Am besten gefielen mir zwei derb satirisch überzogene Figuren: der Premier mit seinem herrlich versnobten Englisch auf leider nur einer Seite (ich hatte die englische Ausgabe, Salmon Fishing in the Yemen) und die verkniffen humorlose Karriere- und Ehefrau Mary. Der viel differenzierter geschilderte Lachsexperte Dr. Jones wirkt dagegen schon wieder langatmig in seinen Aufzeichnungen und Aussagen.

Immerhin wird Dr. Jones‘ Wandlung im Buch weit nachvollziehbarer als im gleichnamigen Film. Ansonsten baut der Film die Handlung gegen Ende deutlich um.

Buch und Film würde ich als „ganz nett“ einstufen. Tordays zweiter Roman „Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen“/“The Irresistible Inheritance of Wilberforce“ ist deutlich besser.

Bücher bei HansBlog.de:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.