Roman-Kritik: Towards the End of the Morning – Gegen Ende des Morgens, 1967, von Michael Frayn – 7 Sterne

John Dyson ist unbedeutender Redakteur bei einer Londoner Tageszeitung, langweilt sich dort oft, fühlt sich aber zu Größerem berufen – da wird er zu einer Talkrunde im Fernsehen eingeladen. Sein Ego schwillt, sein Redefluss auch.

Autor Michael Frayn karikiert die Eitelkeiten und Banalitäten im Redaktions- und Büroalltag, die Kleinkämpfe und Rangeleien bei der Arbeit und im Beziehungsalltag. Dabei verarbeitet Frayn ganz offensichtlich seine eigene Zeit bei Guardian und Observer (Frayn taucht als auch als Nebenfigur in Philip Norman’s Fleet-Street-Roman Everyone’s Gone To the Moon auf, in dem eine Hauptfigur so heißt wie seine Hauptfigur hier).

Vielleicht deshalb wirkt der Roman etwas heterogen – Frayn will zu viele kuriose Figuren und Motive unterbringen: So den antriebslosen Kollegen Bob, zwei sehr unterschiedliche Frauen um Bob herum, den glatten Karrieretyp Morris, den Londoner Immobilienmarkt Ende der 60er und eine völlig verunglückte Dienstreise; das Buch verliert etwas an Zusammenhalt.

Unterhaltsame Spitzen:

Doch ich habe mich jede Zeile gut unterhalten. Frayns Blick für Menschlich-Allzumenschliches ist ohne Erbarmen, und ein paarmal wird es so amüsant chaotisch wie in Frayns Farce Noises Off und in seinem Farce-artigen Roman Skios.

Warum der Roman Towards the End of the Morning heißt, ist nicht ganz klar. In den USA erschien er als Against Entropy (ich hatte die englische Originalausgabe, Towards the End of the Morning; die deutsche Fassung heißt Gegen Ende des Morgens).

Kritiken:

HansBlog.de:

„Ich habe mich jede Zeile gut unterhalten. Frayns Blick für Menschlich-Allzumenschliches ist ohne Erbarmen, und ein paarmal wird es so amüsant chaotisch wie in Frayns Farce Noises Off.“

Der Guardian (in einem Stück über mehrere Journalistenromane, u.a. auch Evelyn Waughs Scoop, und die wahren Hintergründe):

„… really demonstrates his genius

London Review of Books:

„Towards the End of the Morning focuses its suffering on Fleet Street, fleshing out the drab angst of hacks.“

New Republic:

„Towards the End of the Morning expertly recreates Fleet Street’s last years… It is not surprising that Frayn, who is best known as a playwright, has an extraordinary gift for dialogue… The most astonishing aspect of Frayn’s novel is that so many of the dilemmas and complaints of the characters are easily recognizable today… More than forty years later, with newspaper closings and cutbacks occurring every week, Frayn’s novel manages to poke devastating fun at a past era and still lament what has been lost.“

The Independent:

„…cherished by journalists as one of the finest satires ever written about life in a newspaper office“

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