Roman: Ich sehe was, was du nicht siehst, von Birgit Vanderbeke (1999) – 5 Sterne

Vanderbeke beobachtet fein und schildert Menschentypen mit wenigen Dialogsätzen sehr markant. Scheinbar Nebensächliches taucht Seiten später wieder auf und gewinnt so an Bedeutung. Das französische Ambiente ist angenehm, wenn auch teils ungenau und verklärend dargestellt.

Vanderbekes Schreibstil:

Aber Birgit Vanderbeke schreibt seitenlange gleichförmige Absätze. Die Dialoge gehen wie Brei in den Absätzen auf, jeder Absatz enthält vielfach das Wort „sagte“, auch bei Fragen, dann ohne Fragezeichen. Sie will offenbar betont monoton schreiben, das ist die anspruchsvollere neue deutsche Literatur, der Stil wird als schlicht und unprätentios gelobt, auch Handlung und Umfang sind beeindruckend schlicht und reduziert. Ihren Sohn nennt die Ich-Erzählerin darum auf den vorderen Seiten nur „das Kind“ und daran anschließend auch „es“.

Über das Leben in Südfrankreich hätte ich gern mehr gelesen, aber der Wunsch ist wohl zu banal, und Peter Mayle mag ich auch nicht. Vanderbekes Sonderbare Karriere der Frau Choi spielt in einem ähnlichen Ambiente und ist deutlich besser.

War ich beeindruckt?

Vanderbekes Buch klingt wie eine Erzählung persönlicher Erlebnisse: als ob die Autorin nicht etwas allgemein Wichtiges erzählte, sondern etwas persönlich Erlebtes – das jedoch allgemein wichtig wird, weil es durch ihr Schriftstellerbewusstsein floss. Abgesehen von ihren Dialogsätzen erfahren wir kaum etwas über Akteure wie Lembek, Minck oder René, deren Beziehung zur Ich-Erzählerin bleibt teils unklar (sie, die Autorin, kennt die Figuren ja, wozu also langwierige Erklärungen).

Mal eine Autorin, die sich nicht beim Leser aufdringlich anbiedert.

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