Roman: Fremdland, von James Meek (2008) – 6 Sterne

Das Buch hat interessante Situationen, unter anderem den Journalistenalltag im kämpfenden Afghanistan oder die Bestsellerkalküle eines Buchautors. Meek schreibt unterhaltsam scharfe, zynische Dialoge zwischen Verlagsmenschen in London und dann wieder in New York. Er kann schreiben (engl. Titel, We Are Now Beginning our Descent, dt. Fremdland).

Aber manche Szenen wirken sehr konstruiert und absurd – zum Beispiel ein mühsam arrangiertes, idiotisches  Schäferstündchen auf einem Wachturm im afghanischen Kampfgebiet mit der unsympathischen, labilen Astrid, die das ganze Buch ruiniert. Zuviel Testosteron auch im Ton, das Buch klingt zuweilen männlich-angeberisch (die männliche, labile Hauptfigur weckt nicht mehr Zuneigung als Astrid).

Rückblenden erzeugen Verwirrung:

Außerdem erzählt James Meek mit vielen hin und her schwenkenden Rückblenden, so dass die erzählte Gegenwart fast aus dem Blick gerät. Im letzten Viertel führt der Autor in eine neue Umgebung, bringt einen neuen Hauptakteur, der weitere Rückblenden produziert und zeitweise sehr diffus schwadroniert. Meeks Liebe und andere Parasiten ist länger – und besser.

Die tatsächliche Beziehung zwischen seinem Hauptakteur und einer Nebenfigur legt Meek erst auf den letzten Seiten offen, so dass die Bekanntschaft in einem völlig neuen Licht erscheint – ein billiger Trick. Die Rückblenden wie auch das Zurückhalten wichtiger, chronologisch früher Informationen erinnerten mich an Jhumpa Lahiris Romane Der Namensvetter und Das Tiefland.

Meek schreibt tolle Dialoge und Absätze (ich hatte die englische Ausgabe), aber die Gesamtgeschichte ist unausgewogen.

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