Rezensionen: 3 Reiseführer für die Kapverden im Vergleich 2018: DuMont, Reise Know-How & Bradt – mit genauer Tabelle

Die Kapverden-Reiseführer von Marco Polo und Polyglott wirken auf Anhieb zu dünn. Der Dumont-Führer erscheint ausgesprochen frisch illustriert und getextet, außerdem mit entnehmbarer Karte und etwas ausführlicher – aber nicht ausführlich genug für mich. Mitgenommen auf die Inseln Santiago, Fogo und Brava habe ich also nur:

  • Cabo Verde, Kapverdische Inseln – Reise Know-How Verlag, 8. Auflage 2015, von Lucete Fortes u. Pitt Rittmaier, 23,90 Euro – 588 Farbseiten, 618g (die 2018er-Auflage kam zu spät für mich) – 5 Sterne
  • Cape Verde (Englisch) – Bradt, 7. Auflage 2017, Murray Stewart, Aisling Irwin, Colum Wilson, ca. 14 Euro – 382 SW-Seiten plus Farbtafeln, 392g – 8 Sterne
Reise Know-How DuMont Bradt
ersch. 2015 (2018 angek.) 2017 2017
Auflage 8 7 7
Seiten ges. ca. 588 Farbseiten 296 Farbseiten 382 SW-Seiten + Farbtafeln
Preis Euro 23,90 17,99 ca. 14
entnehmb. Karte ja, 1:350.000
Gewicht 618g 420g 392g
Seiten Ortsbeschr. ca. 279 193 255 enge
Seiten Landeskunde ca. 129 41 46
Seiten Praxis allg. ca. 82 42 inkl. Sprache, Essen 55 inkl. Sprache
Eindruck Ausführlichkeit groß mittel bis knapp groß, sehr praxisgerecht
Eindruck Übersichtlichkeit mittel bis schlecht gut gut
spontan ansprechend? mittel sehr, durch große Farbfotos + frdl. Ton visuell nicht, aber starker Inform.-gehalt

Mein Gesamteindruck zu Reise Know-How versus Bradt:

  • Reise Know-How wirkt dank durchgehenden Farbdrucks freundlicher, gefälliger; Bradt erscheint wie eine Bleiwüste
  • Reise Know-How erklärt nach meinem schwer begründbaren Empfinden Dinge manchmal scheinbar voreingenommen, wie mit nicht ganz erkennbaren Kriterien, dabei weniger einsteigerfreundlich; Bradt erklärt scheinbar neutraler, scheinbar weniger subjektiv, ohne Vorauswahl, in etwa wie von Lonely-Planet-Führern gewohnt. Nur gelegentlich geraten die Bradt-Autoren heftig und unbegründet ins Schwärmen, das lässt sich aber anders als bei Reise Know-How leicht erkennen und herausrechnen
  • Reise Know-How (wie gesagt, 2015er-Auflage) ist weitaus unübersichtlicher: Sehenswürdigkeiten werden in einem langen Absatz abgehandelt statt in Einzelabsätzen und erscheinen in anderen Buchteilen als Restaurants und Hotels desselben Ortes (s.u.). Allein deshalb habe ich lieber zum Bradt gegriffen.

Übersichtlichkeit:

Bradt bringt pro Sehenswürdigkeit einen Absatz mit Überschrift, Öffnungszeiten, Telefon etc. – Ort für Ort, so wie man es erwartet. Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Hotels, Krankenhäuser erscheinen alle hintereinander beim jeweiligen Ort.

Reise Know-How reiht die Sehenswürdigkeiten dagegen in langen Absätzen ohne Zeilenschaltung aneinander, eher wie ein Spaziergang oder ein Reisebericht. Scheinbar besonders wichtige Plätze bekommen Textkästen oder Sonderseiten – Kriterien für Textkästen und Sonderseiten sind nicht immer klar (bei Bradt weiß man bald, dass Kästen generell Kurioses am Rande behandeln). Schlimmer noch:

Beide Bücher sind nach Inseln und innerhalb der Inseln nach Orten gegliedert. Innerhalb der *Orts*beschreibung liefert Reise Know-How jedoch nur die Sehenswürdigkeiten, nicht aber Hotels, Restaurants und Nachtleben des Orts – die erscheinen erst am Ende der *Insel*beschreibung, und dann erst alle Hotels, dann alle Restaurants, dann alle Ausgehmöglichkeiten, alle Banken, alle Postämter usw. für alle Orte der Insel hintereinander.

So zeigt Reise Know-How Sehenswürdigkeiten und Restaurants, die in einem Ort direkt nebeneinander liegen, weit entfernt voneinander. Besonders deutlich fällt das bei größeren Inseln mit mehreren Städten und mehr Angeboten wie Santiago auf. Hier aber ein Beispiel von Santo Antão:

– S. 238, Porto Novo Stadtplan und Sehenswürdigkeiten

– S. 247, Ribeira Grande Sehenswürdigkeiten

– S. 264, Wanderungen für ganz Santo Antão

– S. 270, Porto Novo Hotels

– S. 272, Ribeira Grande Hotels

– S. 274, Porto Novo Restaurants

– S. 275, Ribeira Grande Restaurants

– S. 276ff, Nachtleben, Post, Banken für Porto Novo, Ribeira Grande u.a. Orte der Insel

Diese Zersplitterung der Ortsinformation erschwert es auch, nach HansBlog-Art die Ortsbeschreibungen herauszutrennen und zu hosentaschenkompatiblen Lokalführern zusammenzutackern.

Wandern:

Bradt und Reise Know-How liefern lange Wanderbeschreibungen. Bradt schildert dabei weitaus genauer. Die Texte im Reise Know-How klingen dagegen teils etwas nachlässig und ungeduldig, und m.E. hat die Fontainhas-Beschreibung für Brava einen klaren Fehler (den man jedoch mit offenen Augen realisiert, sofern man den Begriff „geodätischer Punkt“ kennt). Die Reise Know-Autoren beziehen sich gelegentlich, aber längst nicht immer auf die Wanderweg-Nummern ihrer eigenen, fantastischen Wanderkarten aus dem AB-Kartenverlag.

M.E. sind kleinteilige Beschreibungen wie

An der zentralen Kreuzung, markiert durch eine Sitzbank aus Beton, biegt man rechts bergauf… (Reise Know-How S. 190, hat bei mir nicht funktioniert)

ohnehin obsolet:

  • Denn es gibt die exzellenten Wanderkarten des AB-Kartenverlags
  • Google Maps im Handy zeigt die eigene Position auf Satellitenfoto; wegen der oft baumlosen Landschaft sind Wege dort gut erkennbar (nur online, SIMs sind billig)
  • Open Street Maps (OSM) im Handy zeigt einige, nicht alle Wanderwege als Wege und lässt sich je nach App ohne Internet im Gelände zur GPS-Wegfindung nutzen (hat bei mir meist gut funktioniert; das Kartenbild auf dem Land ist ansonsten schlecht und detailarm)
  • Einheimische geben fast immer gern Auskunft, und dafür braucht man wenig Portugiesisch oder Kreol (sie stellen sich sogar oft auf einen Vorsprung und dirigieren einen noch 20 Minuten lang per Zuruf quer über die Ribeira)

Darum sollten die Wandertipps aus den Büchern gern Charakter, Länge und Anspruch von Wanderungen erklären – aber nicht jede „Sitzbank aus Beton“ auflisten, die ich dann nicht finde. Speziell die hochaufgelösten Bradt-Texte haben mir regelrecht Kopfschmerzen bereitet, aber nicht geholfen.

Hintergründe:

Beide Bände liefern ausführliche Hintergrundinformationen zu Land und Leuten. Mir erschienen die Texte bei Bradt systematischer und gründlicher, auch zur Musik, bei Reise Know-How eigenwilliger.

Ich würde auch bei der nächsten Reise wieder beide Bücher mitnehmen, Reise Know-How aber nur als Ergänzung betrachten.

Bücher bei HansBlog.de:

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