Rezension: Wie die García Girls ihren Akzent verloren, von Julia Alvarez (Roman 1991, engl. How the García Girls Lost Their Accents) – 6 Sterne – mit Kritiken

   

Die Familie García mit ihren vier Töchtern flieht in den 1960er Jahren aus der Dominikanischen Republik in die USA. Autorin Julia Alvarez erzählt vom Einleben in den Vereinigten Staaten, von jungen Erwachsenenjahren und von den letzten Jahren auf der Karibikinsel unter dem Diktator Trujillo.

Im US-Teil hören wir typische Geschichten: Konflikte mit den konservativen Eltern, erste Liebe, College, Ausländerfeindlichkeit, Geldsorgen und ein Aufenthalt in der Nervenklinik. Der DomRep-Teil ist etwas kürzer; es geht zum guten Teil um abergläubische Haushaltshilfen, um die bedrohliche örtliche Gestapo (der Ausdruck fällt) und um das Leben der priviligierten Oberschicht. Widerwärtige Sittenstrolche erscheinen in beiden Welten.

Alvarez schildert einzelne, kaum verbundene Episoden, mit wechselnden Erzählstimmen, die sich oft auf eine einzige Tochter konzentrieren – vor allem auf die zufällig schriftstellernde Yolanda, zufällig auch Hauptfigur des Folgebandes Yolanda (1997, engl. Yo!).

Alvarez verarbeitet hier in ihrem Erstlingsroman weitgehend die eigene Biografie. Ihre Schwestern und Mutter fühlten sich schlecht getroffen und protestierten. Im Folgeband Yolanda  steht Yolanda (alias Julia Alvarez) dann noch mehr im Mittelpunkt. schildert unter anderem die Empörung der Familie über ihren Erstlingsroman und bringt im übrigen wieder die bekannten Welten in den USA und der DomRep.

Hier in den García Girls erzählt Alvarez die Episoden so isoliert, dass wenig Zusammenhalt entsteht und man die umgekehrt chronologische Reihenfolge zunächst kaum bemerkt. Dabei beobachtet die Autorin sehr genau, erzählt mit feiner, leicht poetischer, femininer Stimme (ich kenne nur die englische Fassung).

Gleichzeitig will Alvarez offenbar bestimmte Episoden aus ihrer eigenen Jugend in ihren Erstlingsroman packen, auch auf Kosten der Stringenz. Die Perspektive stimmt ebenfalls nicht immer – in einem Abschnitt redet sie über alle vier Töchter in der dritten Person, schreibt aber zugleich „we“ als erzählende Tochter (oder ist das ein Stilmittel?). Außer Yolanda gewinnt keine der Töchter eigenständige Statur; wie sie ihren Akzent verlieren (indem sie teure Privatschulen besuchen), spielt kaum eine Rolle. Insgesamt starke Episoden, doch kein Zusammenhalt als Roman.

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Kritiken:

Die Kritik feierte die García Girls, Alvarez erhielt Preise und Einladungen. Das lesende Publikum äußert sich jedoch weniger enthusiastisch: 3,6 Sternen bei Amazon.com und Goodreads (jeweils unten) sind nur mittelprächtig.

Kirkus Reviews:

Alvarez manages to bring to attention many of the issues-serious and light-that immigrant families face, portraying them with sensitivity and, at times, an enjoyable, mischievous sense.

Publishers Weekly (über das Hörbuch):

…silvery prose

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