Rezension: The Golden Gate, von Vikram Seth (Versroman 1986) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Vikram Seth erzählt den Versroman in 590 Strophen à 14 Zeilen nach dem strengen Onegin-Schema (Wikipedia; eine versgetreue englische Onegin-Übersetzung inspirierte Seth auch zu The Golden Gate). Seth reimt phantasievoll, unbekümmert und manchmal gegen gängige Ausspracheregeln – so etwa „love“ oder „above“ auf „move“, „blood“ auf „food“ oder „Keynes“ auf „brains“.

Einige Reime funktionieren nur bei falscher Betonung. Das wirkt jedoch bei Seth kaum wie eine Schwäche, sondern angesichts unbestreitbarer Sprachmacht wie augenzwinkernde Spielerei. Ähnlich, aber weniger sophisticated klingen auch Seths gedichtete Tierfabeln in Beastly Tales.

Die Reime in The Golden Gate schließen Dialoge, Briefe und Zeitungsartikel ein. Ein Satz kann am Ende einer Strophe beginnen und in der nächsten Strophe weiterlaufen.

Vikram Seth schildert junge Beruftstätige im San Francisco der Mitt-1980er Jahre, beleuchtet einige Paare, wechselt aber den Fokus mehrfach und schweift auch ins Allgemeine ab (nicht unähnlich seinem Roman Eine gute Partie/A Suitable Boy, 1993). Seth schildert Beziehungsgrübeleien in wechselnden Konstellationen, Demos und Reden der Rüstungsgegner, Bürosituationen, den Leguan Arnold Schwarzenegger, die Katzen Charlemagne, Cuff und Link, religiöse Skrupel eines Homosexuellen.

Fast verblüfft es, wie lebendig Seth Figuren, Kulissen und ganze Familien innerhalb der strengen Versform zeichnet. Auch sein Sprachwitz und sein enormer Wortschatz amüsieren. Dennoch steht die eigenwillige, altmodische Form für mich ständig im Widerstreit mit der sehr modernen, nicht uninteressanten Geschichte und ich kann nicht gleich aufmerksam die Handlung und die Sprache verfolgen. Conrad Cummings machte eine Oper daraus.

„Between cleverness and silliness “ – die Kritiker:

New York Times 1:

„The Golden Gate“ was a dazzling literary feat and became a surprise hit, touted by Gore Vidal as „the great California novel.“

New York Times 2:

Mr. Seth is witty, dexterous and imaginative; he has fashioned a medium flexible enough to accommodate the most disparate material

  • Lesermeinung bei Amazon.com: 4,5 von 5 Sternen bei 63 Rezensionen
  • Lesermeinung bei Goodreads: 4,09 von 5 Sternen bei 3079 Bewertungen und 308 Besprechungen

London Review of Books (vergleicht mehrere Versromane):

Vikram Seth single-handedly overturns most readers’ expectations about what can, and cannot, pass as a novel.

Guardian/Observer:

Innovative and original. Written in seemingly effortless light verse… at once romantic, pleasantly sentimental and yet deeply satirical

Los Angeles Times:

this mountain of technical virtuosity… the twists and turns of ordinary, idiomatic speech, when laid against a metrical line, give that line tremendous strength

Susan Sontag (Reaktion auf Raymond Mungo in der NYT):

Particular mix of wit, sagacity and rue… elegant, complex… a thrilling, subtle literary achievement

Kirkus Reviews:

A lot of work to say very little. . .yet with an undeniably admirable talent for verse inventiveness… Seth is able to keep things rolling quite nicely

Amazon.com Review:

The Golden Gate will turn the verse-fearing into admiring acolytes… there is wit, wordplay, abounding allusion, and some marvelous animals

Publishers Weekly (bei Amazon.com):

as fully dimensional as a good novel, and twice as diverting. In this witty, compressed style, he gives us fully delineated characters…

The New Criterion:

there can be little doubt but that, had it been written in prose, its characters would have come across as rather insignificant

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