Rezension: Thailand, The Last Domino, von Richard West (Sachbuch 1991) – 7 Sterne

Journalist Richard West (1930 –2015) reist das Königreich in alle Richtungen ab. Doch abgesehen von ein paar Bierpreisen, Taxifahrern und räudigen Kötern liefert er kaum aktuelle Impressionen. West produziert vielmehr ein Feuerwerk aus historischen und soziologischen Notizen, das auch heute noch interessant klingt.

So beginnt der Bangkok-Teil mit einer langen Geschichte der Königsdynastie, und dabei interessiert sich West weit mehr für den unaufgeklärten vorzeitigen Tod von König Ananda 1946 als für den bei Manuskriptabgabe schon lange amtierenden Nachfolger, Anandas Bruder Bhumibol. Danach schwenkt West auf Bangkoks Chinatown, schildert aber nicht etwa einen Streifzug durch die Gassen, sondern die Rolle der Chinesen in der thailändischen Gesellschaft. Selbst in Thailands Süden interessiert sich West kaum für Tourismus, sondern für Terroristen und vietnamesische Boat People – abgesehen von ein paar Tritten gegen Rucksacktouristen.

Der hochinformierte Faktenreigen schließt Nachbarregionen wie Myanmar und Indochina ein (West wurde auch durch Reportagen vom Vietnamkrieg bekannt und schreibt viele Seiten über Vietnam, Kambodscha und die Flüchtlinge aus diesen Ländern in Thailand; fast wirkt The Last Domino wie eine Resteverwertung seiner Indochina-Recherchen). West stellt interessante Thai-Bücher vor, mindestens drei erzählt er über jeweils mehrere Seiten nach. Breiten Raum bekommen auch Grausamkeiten an den östlichen Thai-Grenzen, gegen Ende des zweiten Weltkriegs und zur Khmers-Rouges-Zeit. Zudem erzählt West Jim Thompsons Geschichte nach und stützt sich dabei auf William Warrens Thompson-Buch.

West schreibt durchgehend interessant und leicht lesbar, auch wenn man gelegentlich mehr Belege sehen möchte und auf Schnellschussurteile verzichten könnte. West erzählt in teils sehr schnoddrigem, subjektivem Ton, der Andersdenkende implizit für blöd erklärt. Er drischt gern auf Linke ein, die angeblich Vietnam und sogar Pol Pot lieben und umgekehrt das kapitalistische Thailand verurteilen.

Die wenigen, nicht zusammenhängenden Reiseeindrücke machen das Land nicht lebendig, persönliche Begegnungen fehlen ganz. Immer wieder verwendet er relative Ausdrücke wie „now“, „here“ oder „us“, die in einem Buch Verwirrung stiften. In den Nachrufen auf West wird vor allem sein Buch über Rio Tinto erwähnt, das Thailand-Buch wird ignoriert.


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