Rezension Thailand-Memoiren: My Boyhood in Siam, von Kumut Chandruang (1938) – 7 Sterne

Kumut Chandruang erzählt über viele Jahrzehnte das Leben seiner Eltern und sein eigenes Leben in Thailand. Er klingt naiv versöhnlich, liefert jedoch viele interessante, gelegentlich humorvolle Details und Einblicke in eine untergegangene Welt, und das in gefälliger Schreibe – samt unterschiedlicher Ansichten zu Europäern.

Nord und Süd:

Chandruangs Vater verließ mit 14 auf eigene Faust sein zentralthailändisches Dorf, lernte in einem Tempel in Bangkok und wurde schließlich Mitarbeiter des Vizekönigs in Nakhon Sri Thammarat. Dort am Hof verbrachte auch sein Sohn, Autor Chandruang, seine frühe Kindheit. Als hoher Richter tourt der Vater mit dem Sohne dann durch verschiedene nördliche Orte wie Uthai Thani, Nakhon Sawan und Phichit – im Buch jeweils deutlich anders geschrieben als heute üblich.

Das garantiert viele interessante Einblicke, nicht immer unkritisch, aber nie harsch, und nur anfänglich aus ländlicher Perspektive. Die Atmosphäre ist zumeist wohlwollend-zugewandt, selbst Verurteilte verstehen sich mit ihren Richtern und Ehefrauen suchen gewissenhaft die Zweit- und Drittfrauen ihrer Männer aus.

Chandruang schildert Hochzeiten, Begräbnisse, Feste und die Erntezeit, aber auch Gefängnisse und Ehesitten. Er schreibt leicht lesbar, uneitel und mit bewusst gesetzten Kapitelübergängen. Weil Chandruang sehr priviligiert aufwächst, lernen wir nichts über Landwirtschaft oder Leben in Armut. Wie es an der Uni und später in den USA mit ihm weiterging, erfahren wir ebenfalls nicht.

Zur Ausgabe:

Ich hatte die englische 1996er Ausgabe von Sangdad Publishing, Bangkok. Sie zeigt einige SW-Fotos und Grafiken ohne genauen Bezug zum Text, ich vermisste jedoch Glossar, Stammbaum und Lektorat.

Und klare Jahreszahlen vermisste ich auch: In der mehrere Jahrzehnte umfassenden Erzählung nennt der Text kaum Jahreszahlen und fast nie bekannte geschichtliche Ereignisse  – einmal heißt es „the World War“, ohne eine Ziffer. Gelegentlich kann man sich an einem Königsnamen wie Rama V oder Chulalongkorn orientieren, aber die Schreibweisen sind nicht einheitlich. 1932, gegen Buchende, geht der Autor auf die Uni. Weil Chandruang streng chronologisch berichtet, könnten Jahreszahlen sogar als lebender Kolumnentitel erscheinen, von mir aus Thai- und gregorianische Jahreszahlen nebeneinander.

Verschwiegen wird auch das Ersterscheinen des Buchs, und der ganzseitige Text zum Autor auf der Buchrückseite nennt weder Geburts- noch Todesjahr noch sonstige Jahreszahlen, so dass auch hier keine zeitliche Orientierung entsteht. Laut Goodreads erschien das Buch erstmals 1935, laut Journal of Asian Studies 1938, öfter heißt es auch 1940.

Freie Assoziationen:

  • Der naiv-beschauliche Ton, die Grafiken und das teils provinzielle Milieu erinnern an die Thai-Geschichten von Michael Smithies
  • Ein ungebildeter, aber wissbegieriger Thaiknabe verlässt jung das Dorf und die Familie, lernt sich in einem Großstadt-Tempel nach oben, sieht schließlich die Welt und die Reichen, das klingt nach den Geschichten von Pira Sudham; Sudham liefert dabei mehr Dorfleben als Chandruang

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