Rezension: Thailand Confidential, von Jerry Hopkins (Sachbuch 2005) – 5 Sterne

Ex-Rollings-Stone-Journalist, Elvis- und Jim-Morrison-Biograf Jerry Hopkins liefert viele kurze Beiträge, die sich nicht zu einem Ganzen fügen – Slumkinder, die Chirurgie einer Geschlechtsumwandlung, thailändische Höflichkeit, Fischsauce, gegrillte Insekten, Elefanten, Raubkopien, Kautschuk, Backpacker, ein Aufenthalt im teuersten Krankenhaus des Landes, alles bekommt drei oder fünf Seiten. Im Abschnitt über Polizeimorde an mutmaßlichen Drogenhändlern verschweigt Hopkins die Rolle des Königs komplett.

Für gestandene Männer:

Hopkins zog mit 58 Jahren nach Thailand und heiratete eine Einheimische. Seine Aufsatzsammlung ist leicht lesbar, enthält markante Schreibfehler und richtet sich an gestandene Mannsbilder. Er outet sich als vormaliger Sextourist, regelmäßiger Biertrinker und berichtet wie selbstverständlich aus Gogo-Bars und anderen Herrenschuppen zu Bangkok mit schönen Bezeichnungen wie „Hog’s Breath“. Hopkins schildert fasziniert vulgäre Rituale der Bardamen und verwendet im Lauftext (also nicht in Zitaten) routiniert Ausdrücke wie „damned“ oder „what the hell“ und vierbuchstabige No-nos. Den Titel meiner Periplus-Ausgabe ziert ein als Neonschild stilisierter Kussmund – lecker, Rotlichtalarm.

Hopkins schildert unbefangen seine eigenen (dumm-gefährlichen) Wutausbrüche in Thailand und beschreibt seine vierte Frau, Thai-Khmer Lamyai, einstige Barfrau, implizit als unsophisticated. Er zitiert viele Statistiken und immer wieder aus Zeitungen – aber nur aus englischsprachigen. Seine Kontakte scheinen überwiegend Weiße, Journalisten und Forscher zu sein, abgesehen von seiner Frau. Die Königsfamilie, Thai-Familien, Bauern und übliches Thai-Essen tauchen nur nebenher auf; normale Büro- oder Hotelangestellte oder Fabrikarbeiter erscheinen gar nicht. In Hopkins‘ Liste der Thai-Prominenten mit westlichen  Vorfahren fehlt Superstar Thongchai McIntyre (Phi Bird); dagegen sind Thailands Biersorten gut dokumentiert. Meine Ausgabe hat keine Fotos oder Landkarten.

Kein Highlight:

Ein Buch wie Very Thai/Typisch Thai gefällt mir deutlich besser. Die Publikumswertungen überzeugen nicht:

Ausführliche Begegnungen mit Hopkins in Thailand hier und hier, Familienfotos auf seiner Webseite.


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