Rezension Spielfilm: 3 Zimmer/Küche/Bad (2012) – 8 Sterne – mit Video & Kritiken


Acht jüngere Twens zwischen Pubertät und erwachsen, zwischen Uni, Praktikum und Beruf, zwischen wechselnden Partnern und immer wieder zwischen Wohnungen und Städten – der halbe Film spielt in Umzugswagen und Kleinwagen auf der Autobahn, genau ein Jahr lang, mitunter kommt der Überblick abhanden.

Die trockene Komödie besticht:

  • Sie wirkt echt und kaum geschauspielert, das Lebensgefühl war mir äußerst vertraut. Die Jungschauspieler wirken wie Laiendarsteller – in diesem Fall meine ich das positiv. Die Älteren, vor allem Corinna Harfouch, haben mehr Ausstrahlung.
  • Dazu passend: Die Kamera bleibt nüchtern und will nie auf sich aufmerksam machen oder Glamour suggerieren.
  • Ein paar Ein-Zeiler haben mich laut zum Lachen gebracht – nicht oft, aber laut.
  • Die Komödie verzichtet auf aufdringliche Running Gags, bringt nur einzelne Albernheiten wie Stürze mit dem Fahrrad oder herunterfallende Töpfe und Gardinenstangen

Eine durchgehende Handlung gibt es auch nicht, der Film zeigt die jungen Leute in dauerndem Übergang, zum Schluss sind sie etwas besser angezogen und wohnen etwas gediegener. Regie: Dietrich Brüggemann; geschrieben hat er das Drehbuch zusammen mit seiner Schwester Anna Brüggemann, die auch eine der wichtigsten Rollen spielt.

„Zwei Stunden großes Vergnügen…“ – die Kritiken:

Filmstarts.de:

…punktet mit unverbrauchten Einfällen am Fließband

Programmkino.de:

Keine der Figuren wirkt schematisch, oberflächlich oder unterentwickelt. Diese Masse an Figuren, Geschichten und Erlebnissen über zwei Stunden zu beobachten, dabei eine enorme Bandbreite an Emotionen, Beziehungen und Erfahrungen zu zeigen, ist eine erstaunliche Leistung. Zumal nur selten auf allzu einfache Psychologisierung zurückgegriffen wird.. Meist zeigt er ((Brüggemann)) in komischen, berührenden, pointierten Szenen wie schwierig es ist, seinen Platz im Leben zu finden und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er geht dabei so gelassen vor, wie man es im deutschen Kino nicht oft sieht, verzichtet auf allzu extreme Gefühlsausbrüche, ist stilistisch unauffällig aber jederzeit präzise und hat zu guter letzt ein Ensemble toller jüngerer und älterer Darsteller aufzubieten, die dabei helfen „3 Zimmer/ Küche/ Bad“ zu einem erstaunlich genauen, lebendigen Abbild des Zeitgeist zu machen

Artechock.de:

Dieses Szenario klingt erstmal sehr normal, wie eine weitere der vielen Beziehungskomödien aus Berlin-Mitte. Aus zwei Gründen aber ist Drei Zimmer, Küche, Bad einer der interessanteren und besseren Filme des deutschen Filmjahres 2012… Regisseur Dietrich Brüg­ge­mann hat zum einen ungemein viel Humor. Dieser Humor ist auch noch erwachsen, fern jener Schmunzel-Putzig­keits-Infan­ti­lität, auf die sich Til Schweiger im fort­ge­schrit­tenen Alter verlegt… Zum anderen aber ist Drei Zimmer, Küche, Bad eine genaue Moment­auf­nahme seiner Gene­ra­tion. Ihres Bezie­hungs­le­bens zwischen frei flot­tie­render Liebe und neuer Bürger­lich­keit

Critic.de:

Die visuelle Ebene, die sich unscheinbar in den Hintergrund drängt, schöne Kompositionen geradezu vermeidend, um nie von den Storys abzulenken… Ständig steigt der Film aus sich selbst heraus, verlässt die Story-Ebene, um die Figuren ein klein wenig dem Zuschauer vorzuführen. Doch dann kommt auch schon wieder emphatische Rockmusik und Gitarren-Geschrammel: Es ist alles halb so schlimm

edp-film.de:

Zu den schönsten Momenten des Films gehören die Fahrradfahrten von Philipp und Thomas und ihr Räsonieren über das Leben und die Frauen… keine WG-Komödie, die sich über deren Bewohner vergnügt. Obwohl das alles durchaus mit Humor daherkommt… Zwei völlig groteske Weihnachtsfeiern zelebriert dieser Film… Doch auch dieses familiäre Erdbeben behandelt Brüggemann wie alle anderen Erschütterungen mit einer Leichtigkeit, die die zwei Stunden dieses Films zu einem großen Vergnügen macht.

Focus:

8 Freunde, 11 Umzüge und 23 Wohnungen stehen im Mittelpunkt… Regisseur Dietrich Brüggemann hat ein unterhaltsames Porträt einer Generation geschaffen, die in eine vage Zukunft blickt. Gutes Einkommen, feste Arbeitsstellen und sichere Renten scheinen unerreichbar…

Taz:

Es gibt viele von diesen Momenten in „3 Zimmer/Küche/Bad“, bei denen man „genauso ist es“ sagen möchte, weil Dietrich Brüggemann und seine Schwester Anna, mit der zusammen er das Drehbuch schrieb, so genau den Ton finden, der unter einer Gruppe von nicht mehr ganz jungen, aber auch noch nicht erwachsenen Berlinern herrscht… Bei den Familienszenen dreht der Film immer leicht in Richtung Loriot-Sketch ab… Auf die Wirkung solcher witzigen Oneliner verlassen sich die Filmemacher ein wenig zu oft. So bewegt sich ihr Film manchmal sehr nah am Rand zur Sitcom. Und auch sonst gibt es ein paar unbeholfene Versuche, den Film witziger zu machen. So muss einer der Protagonisten bei einem Dialog auf fahrenden Fahrrädern (die hier oft verwendete Lieblingseinstellung des Regisseurs) gleich mehrmals die Balance auf einem Kinderfahrrad verlieren und genau zur Pointe nach links aus der Einstellung purzeln. „3 Zimmer/Küche/Bad“ ist mit 118 Minuten eindeutig zu lang geraten. Langsam verliert man dann doch das Interesse daran, wer warum wo mit wem zusammenzieht, und man kann und mag die verschiedenen Wohnungen und Beziehungsverflechtungen nicht mehr auseinanderhalten.

Wolfram Hannemann:

Die Beziehungskonstellationen in dieser Komödie mit Tiefgang sind nicht immer einfach zu verfolgen. Das liegt einmal daran, dass sich junge Menschen manchmal sehr ähnlich sehen, aber auch an der oft schnellen Schnittfolge, die zwischen Berlin und Stuttgart hin- und herspringt. Doch hat man sich erst einmal an diesen Rhythmus gewöhnt, so eröffnet sich einem ein wunderbarer Film mit viel Ironie und einigen tiefschürfenden Gedanken zum Erwachsenwerden. Viele der gezeigten Situationen kennt man vermutlich aus seinem eigenen Leben… hier gibt es immer wieder Passagen, in der nur noch Musik die Tonspur einnimmt, während die Bilder die Geschichte weitererzählen. Zudem weiß Kameramann Alexander Sass das CinemaScope-Format vorzüglich zu nutzen: die Darsteller agieren auch links und rechts und sind nicht nur brav mittig angeordnet. Zum Lachen und Schmunzeln gibt es gleich ein ganzes Sortiment von Einfällen. Das fängt bei den fürchterlichen Weihnachtsfeiern in den Elternhäuser an

Schnitt.de:

Streckenweise erschreckend genau beobachtet… der eigentliche Grund, warum dieser Film so gelungen ist, liegt nicht in seinem sehr heutigen Thema, sondern in seiner zeitlosen Tonalität, die man im deutschen Kino immer herbeisehnt, aber fast nie findet. Brüggemann gelingt erneut ein Seiltanz auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Drama, ohne jemals in die Belanglosigkeit der 1990er oder in die Sozialtristesse der 2000er Jahre abzurutschen… zutiefst amüsant und lebensbejahend… Dazu kommt die Neuentdeckung der Musikmontagesequenz – eines Stilmittels, das längst auf dem Komposthaufen der Filmgeschichte lag, die der beeindruckende Musikvideofilmer Brüggemann aber nicht nur mit Leben und Witz füllt, sondern tatsächlich auch mit entscheidenden Story-Wendepunkten. Kurz: 3 Zimmer/Küche/Bad ist ein Film voller Überraschungen und Glücksmomente, mit Figuren, denen man gerne zusieht, und Dialogen, die man gerne anhört

Outnow.ch:

Keine Figur ist uninteressant, keine Geschichte langweilig, und so entsteht eine wundervolle Collage, die das Lebensgefühl einer Generation hervorragend porträtiert… Überhaupt ist der Humor im Film sehr gelungen. Obwohl Situationskomik und sogar Slapstick eingesetzt werden, passiert dies immer aus der Geschichte heraus und wirkt so nie unnötig hereingequetscht. Mit 118 Minuten ist der Film vielleicht ein paar Minuten zu lange ausgefallen. Auch die Pärchenbildung wirkt nicht immer realistisch, doch dies sind kleine Makel an einem wirklich tollen Drehbuch… junges deutsches Kino, wie wir es gerne sehen: witzig, natürlich, lebensnah. Vielleicht nicht unglaublich tiefgründig, aber wahnsinnig unterhaltsam.

Tittelbach.tv:

Tatsächlich entspricht die Dramaturgie des Films weniger der auf lückenlose Unterhaltung getrimmten Streifen der Schweiger-Schweighöfer-Fraktion als viel mehr einem breit angelegten Porträt… Vermutlich muss die „kleine“ Kinokoproduktion aber noch ein paar Jahre lagern, bevor wir den eingefangenen Zeitgeist als solchen derart zu schätzen wissen, dass wir über die dramaturgischen Schwächen gänzlich hinwegsehen können… trotz komödiantischer Überzeichnung stets authentisch… Kann „Drei Zimmer/Küche/Bad“ durch seine treffsichere Darstellung typischer Situationen und Charaktere zu Beginn noch viel Humor erzeugen, büßt die repetitive Erzählung – Liebe, Trennung, Liebe, Trennung – ab der Hälfte des Films einen Großteil ihrer Attraktivität ein. Was zuvor noch durch den trockenen Humor unterhalten konnte, gestaltet sich mehr und mehr aufgesetzt und konstruiert… in seinem Kern ist „Drei Zimmer/Küche/Bad“ weit mehr als eine nur unterhaltsame Komödie, nämlich ein cleveres und treffendes Porträt der dargestellten Generation


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