Rezension Sachbuch: Money Shot, von Lawrence C. Ross jr. (2007) – 5 Sterne

Lawrence C. Ross schreibt teilweise zu wortreich und angeberisch (S. 2):

Lexington is a big figure in the other Hollywood, one of the leading actors in the industry. But what is the other Hollywood, you ask? Well, let me tell you.

Das Taschenbuch von Thunder’s Mouth Press hat 290 sehr luftig bedruckte Seiten inklusive detailliertem Glossar und Namensregister. Mit solchen pseudo-kumpelhaften Nullsätzen wirkt der Inhalt noch dünner.

Gern erwähnt Ross die Marihuana-Schwaden bei seinen Interviews und streut allerlei drei- und vierbuchstabige Tabuwörter in seinen Lauftext (also nicht nur in Zitate). Ross müht sich um Straßenslang und Hiphop-Tonfall, klingt aber gleichwohl flüssig, auch über Redundanzen hinweg.

Der afro-amerikanische Journalist Ross schreibt in seinem Berufsleben generell nur über afro-amerikanische Themen und wirkt hier sehr voreingenommen. Die schwarzen Darsteller in seinem Buch bezeichnet er gelegentlich als „brother“ und „sister“. Dazu beschreibt Ross die Hautfarbe („sort of the color of a Hershey chocolate bar“, S. 1). Bei Darstellerinnen nennt Ross genaue BH-Größe und Hinternumfang (z.B. S. 29, „a pretty, coffee-colored sister with with 36F breasts and a big bubble ass“), bei Männern gelegentlich die Länge des Produktionsmittels. Ärztinnen beschreibt er jedoch nicht näher.

Weiße erscheinen bei Ross oft als Ausbeuter oder Störfaktoren, aber nicht als Interviewpartner. So erzählt Ross über viele Seiten detailreich eine DVD-Filmszene, in der zwei weiße Darsteller eine schwarze Darstellerin demütigen. Andere weiße Männer werden als schwabbelig und weniger standfest beschrieben. Ob schwarze Frauen gern öfter mit weißen Männern arbeiten würden, lässt sich Ross von einem schwarzen Mann erzählen. Nicht-afro-amerikanische Frauen kommen gar nicht vor.

Ross schreibt einige wenige allgemeine Kapitel etwa über Geschichte, Geschäfte, Aids oder Publikum; in den meisten Kapiteln portraitiert er einzelne Akteure – dies jedoch nur in Worten, Bilder gibt es gar nicht. Nebenbei liefert Ross ein paar Sätze über Dreharbeiten und Fachmessen. Fast alle Interviewpartner sind Akademiker, waren teils in anderen Branchen erfolgreich und sehen die Fleischfilme als reinen Gelderwerb; der volle Buchtitel „Money Shot. Wild Days and Lonely Nights Inside the Black Porn Industry“ klingt bei solchen Protagonisten noch reißerischer, und tatsächlich liefert der Buchinhalt nichts dazu Passendes.

Produzenten, Regisseure, Agenten, Titeldesigner, Kameraleute oder Kunden spricht Ross nur, sofern sie zuvor auch vor der Kamera gearbeitet hatten und sofern sie schwarz sind.

Häufig lässt Ross die Akteure einfach blasiert, vage reden und fragt nicht nach. Die Portraits klingen darum etwas repetitiv. Jedesmal wird erzählt, wie die Akteure das neue Berufsfeld ihren Eltern beichteten. Doch ob oder was Vanessa Blue denkt oder fühlt, während sie ihren Lebenspartner bei der Arbeit mit Darstellerin Carmencita filmt – kein Wort davon. Entweder es gibt keine Gefühle, oder es ist passt nicht in den Slang, darüber zu sprechen.

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