Rezension Roman: Wie macht sie’s bloß, von Michael Frayn (1989, engl. The Trick of it) – 7 Sterne

Ein kleiner englischer Uni-Dozent geht eine Beziehung mit der Großschriftstellerin ein, deren Werk er seit 12 Jahren erforscht und lehrt. Darüber berichtet er in aufgeregten Briefen an einen befreundeten Geisteswissenschaftler in Australien. Frayns Roman gibt ausschließlich die Briefe des neu verbandelten Uni-Dozenten wieder.

Dieser Dozent, Extremkauz, schreibt schrullig und mit Esprit. Sicher textet so etwas niemand besser als Michael Frayn (*1933; ich habe das Buch auf Englisch gelesen). Da gibt es reizvolle stilistische Varianten, sehr kurze und sehr lange Schreiben. Das macht viel Spaß, aber:

Auf Dauer ermüdet der eigentlich vergnügliche, jedoch perma-hochtourige Briefton des Dozenten. Frayn nimmt zudem das Brief-Genre nicht übermäßig ernst, liefert fast mehr einen Ich-Erzähler-Roman. So fehlen über den Briefen Anreden und Datumsangaben, unter den Briefen Grußformeln. Braucht Frayn eine zweite Person, lässt er seinen Korrespondenten einfach Antworten oder Rückfragen des Gegenübers imaginieren.

Dazu habe ich auch inhaltliche Bedenken: Zwar berichten die Briefe unentwegt von der Großschriftstellerin, doch sie bleibt seltsam blass. Warum sie eine dauerhafte Beziehung eingeht, ist völlig unklar. Wir hören von ihr nur wenige äußerliche Dinge (zwei Söhne, gartelt, kocht und schreibt viel), aber der Roman beschreibt sie nicht als Mensch, zitiert sie ohnehin nicht wörtlich. Manchmal denkt man, Greene habe sich nur ein Vehikel ausgedacht, um über akademisches Leben, Großschriftstellerei und die Ehe als solche vom Leder zu ziehen.

Dennoch: Frayn ist ein begnadeter Unterhalter – zugleich deftig und taktvoll, intelligent und Slapstick-affin, geistreich und verspielt, sprachlich versiert, dabei nie pompös selbstgefällig. So einen hätte man gern auf Deutsch, aber ach.

Assoziationen zu diesem Roman:

  • die überdrehten Ich-Erzähler in mehreren Romanen von Joseph Heller
  • die überdrehten und überkreuz reisenden Schreiben im Briefroman Der Fieberkopf von Wolfgang Bauer
  • momentweise die überdrehte Stimmung in Michael Frayns Theaterstück Der nackte Wahnsinn/engl. Noises off
  • Frayns Roman Skios, der so wie Wie macht sie’s bloß nur knapp daran scheitert, wirklich unterhaltsamen Humor ohne größere Störungen zu produzieren
  • das englische Uni-Milieu in den Romanen von David Lodge

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