Rezension Musikfilm: Whitney Houston – Close Up/Can I Be Me? (2017, von Rudi Dolezal, Nick Broomfield) – 3 Sterne – mit Video

Ein Gutes hat die Doku ja doch: Die US-Stimmen werden nicht durch deutsche Stimmen übertönt, stattdessen gibt es deutsche Untertitel (die nicht immer ganz sauber übersetzen).

Allerdings sieht man die Untertitel meist zu kurz, man kann sie gar nicht so schnell verarbeiten; schließlich erscheint die Doku bei Red Bull Media House auf Servus TV, und da darf keine Szene länger als zwei Sekunden dauern. Manchmal stehen die Untertitel auch länger, doch über den Schirm flimmern derweil drei verschiedene Szenen – zum Beispiel erst ein Interviewpartner, dann Whitney Houston auf der Bühne, dann Houston müde in der Garderobe. Dann fällt das Lesen der Untertitel fällt schwer, und das gesprochene Englisch ist nicht immer leicht zu verstehen.

Nie kann man sich auf etwas einlassen, einen tieferen Eindruck gewinnen. Eine einzige hektische Kaskade. Mein gefühlter Eindruck: Nur vielleicht drei Stücke zeigt Dolezal länger als vielleicht 15 Sekunden ohne Unterbrechung. Doch erwähnt jemand für eine Sekunde die Stones, die Beatles oder Freddy Mercury, dann zeigt der Film sie aufdringlich auch für jeweils eine Sekunde.

Es gibt keine Stimme aus dem Off, die etwas einordnet. Zwar sind die Untertitel-Texte zu lang für ihr kurzes Aufblitzen, aber die vielen Whitney-Houston-Filmschnipsel erscheinen ohne Jahresangabe (viele stammen wohl von 1999). Welche Bilder stammen aus ihrem Todesjahr? Hat sie einige Lieder selbst geschrieben? Wie wirkte sie in ihren Filmen? Wie berühmt war ihr Mann Bobby Brown? Was wurde aus ihrer Tochter? Muss man bei Wikipedia nachlesen. Offenbar erschien der Film unter den Titeln Close Up wie auch Can I Be Me.

Wer Houston (1963 – 2012) nicht schon kennt, ist nach dieser Doku kaum klüger aus zuvor. Stattdessen sagen gefühlt 15 Figuren in die Kamera, dass sie lustig sein konnte und Jesus liebte.

Houstons Tod in der Badewanne inszenieren Dolezal/Broomfield als Schmalzorgie aus der alleruntersten Bollywood-Schublade: Von Anfang an repetiert die Doku bedeutungsschwanger einen tropfenden Wasserhahn, und gegen Ende erscheint der Hahn aus unterschiedlichen Perspektiven; dann unheilschwangere Tieftöne, Hoteltüren, abstürzende Klaviernoten, heulende Interviewpartner, traurige Lieder am Flügel, und das zerdehnt bis hinter den Abspann – ganz mieses Theater.

Hat die fantastische Sängerin und Entertainerin Whitney Houston das verdient?


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