Rezension Musik-Doku: Sing It Loud – Luthers Erben in Tansania (2017) – 7 Sterne – mit Video & Pressestimmen

Die fast 90minütige Doku über tansanische Laien-Kirchenchöre hat lange, ruhige Einstellungen. Immer wieder hört man minutenlang nur den Gesang bei fast unbewegter Kamera – und sieht dazu die Chöre nicht nur in Kirchen und Sälen; sie singen auch auf dem Feld und in semiprofessionell selbstgedrehten Musikvideos. Schön: Über den Stimmen der Interviewpartner liegt keine deutsche Stimme aus dem Off, Untertitel übersetzen die Auskünfte. Dazu kommen sparsame Erklärungen einer Sprecherin mit naiver Stimme.

Die Chorsänger stammen aus der tansanischen Mittelschicht. Sie sind sicher nicht reich, aber es geht ihnen nicht so schlecht. Sie arbeiten hart daran, beim landesweiten Chorwettbewerb ganz vorn zu landen – Jugendliche ebenso wie ältere Erwachsene, zum Beispiel ein Autowerkstattinhaber und Einödbauern. Sie proben mehrmals wöchentlich, komponieren auch selbst. Die Musik klingt überwiegend afrikanisch mit Resten der Kirchenmusik, die deutsche Missionare einst mitbrachten.

Der Film liefert viele schöne Einblicke in eine verblüffende Welt. Spannung entsteht jedoch nicht, obwohl drei verschiedene Chöre sich durch verschiedene Wettbewerbe in Richtung Endausscheidung singen. Die Filmmacherinnen Julia Peters und Jutta Feit ordnen nichts ein – wir erfahren nicht, ob es im Land bessere professionelle Chöre gibt, wie stark andere Musikstile sind und wie sich die Chöre selbst im Vergleich zu südafrikanischen Chören sehen.

Mir hat die Musik schon gefallen, sie wirkt aber auch etwas ernst und peplos (der Trailer zum Film erscheint weit lebhafter als der Film selbst). Begleitet wird der Gesang meist nur von etwas Perkussion, Schlagzeugcomputer und Keyboard – kein Bass, keine Gitarre, keine Bläser, kein echtes Klavier. Das klingt spröde.

Kommentar epd-film:

In ruhigen und klaren Bildern erzählt der Dokumentarfilm von Julia Peters die beschwingende Geschichte eines evangelisch-lutherischen Chorwettbewerbs in Tansania… Ihr Film ist vor allem eine Musikdokumentation, inszeniert in ruhigen und klaren Bildern. Da tanzen die Protagonisten, nicht die Kamera. Im Mittelpunkt dieses Films steht die Musik – und das Gemeinschaftsgefühl, das sie erzeugt, auch wenn der Film sehr genau den Alltag seiner Figuren beobachtet… »Sing It Loud« ist kein Film, der mit großer Geste etwa vom schweren Erbe des Kolonialismus erzählt, obwohl das natürlich auch im Wettbewerb selbst versteckt ist und man die allgegenwärtige Armut immer spürt



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