Rezension lustiger Roman: Heartburn, von Norah Ephron (dt. Sodbrennen oder Quetschkartoffeln gegen Trübsinn, 1983) – 6 Sterne – mit Video & Presse-Links

Ich-Erzählerin Rachel hat einen Mann, ein Kleinkind und ein Kind im Bauch. Da wird ihr Mann untreu. Rachel findet ihn doof und will ihn behalten.

Den untreuen Mann im Roman formt Nora Ephron (1941 – 2012) nach ihrem Ex-Gatten, Star-Journalist und Watergate-Enthüller Carl Bernstein; dessen neue Partnerin im Buch war 1982 im richtigen Leben, unschwer zu erkennen, die Frau des englischen Botschafters und Tochter des UK-Premiers Callaghan. Das brachte den kaum verhüllten Schlüsselroman trotz gemischter Kritiken auf die US-Bestsellerlisten und ins Kino – verfilmt 1986 mit Meryl Streep, Jack Nicholson, Ephrons Drehbuch und schlechten Kritiken (engl. Filmtitel Heartburn, dt. Filmtitel Sodbrennen, engl. Trailer unten).

Verletzt und wacker selbstironisch:

Verletzte, aber bemüht resolute moderne junge Frau erzählt wacker selbstironisch aus ihrem Leben: Dieser Stil erinnerte mich deutlich an Lorrie Moore. Dazu leichte Anklänge an John Updikes Roman Ehepaare und an Sex and the City.

Autorin Norah Ephron hat viele Filmkomödien geschrieben und teils auch Regie geführt (u.a. Schlaflos in Seattle, E-Mail für Dich, Harry und Sally). Exzellente Dialoge bringt sie auch in Heartburn, ihrem einzigen Roman (dt. Sodbrennen oder Quetschkartoffeln gegen Trübsinn oder schlicht Sodbrennen, 1986). Ein paarmal habe ich laut gelacht, insonderheit bei den Gifteleien innerhalb der Psychogruppe.

Mitunter klingt Ephron allerdings, als ob sie eine bestimmte Witzmaschinerie bedient. Dazu könnten auch ihre Abschweifungen gehören – sie kommt von Hölzchen auf Stöckchen, erzählt von Papa, Mama, der Schwester Eleonor, Juden im allgemeinen und den Siegels im besonderen, Kochen allgemein und speziell Kartoffeln. Das ist Konzept.

Die Hauptgeschichte jedoch bleibt dünn. Und ja, gelegentlich flicht Ephron ein Rezept ein, es gibt sogar ein Verzeichnis der Rezepte.

Kritiker:

Washingtonian:

a very adult romantic comedy. There are no cheap laughs or hijinks aimed at a teen audience. It’s all high-minded and sophisticated

Fig Tree Books:

an unusually charming and insightful take on the social and culinary habits of ambitious, well-to-do Jews…

The Bookbag:

there is a universality about the events and characters she describes that draws the reader in. We’ve all been dumped, deceived and burnt the dinner

New York Times:

Stuffed with food jokes, sex jokes, food-sex jokes and Jewish food-sex jokes. It was like a bowl of rice pudding dotted with raisins.

NPR:

painful and blisteringly funny… delectable as a roman a clef

The Telegraph:

What makes Heartburn a great novel – rather than simply a great revenge novel – are the instances of grievous pain spun into comedy

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