Rezension Kurzgeschichten: The Wonders of the Invisible World, von David Gates (1999) – 8 Sterne – mit Presse-Links


In zehn Geschichten beschreibt David Gates intelligente, smart resignierte, zu selbst-reflektierte, ironisch verbitterte Akademiker und Künstler in Vororten und Rückzugskäffern der US-Ostküste; sie nehmen oft Alkohol oder Psychopharmaka und pflegen ein sehr brüchiges Familienleben. Das Personal lügt und betrügt, ist innerlich einsam (Internet oder Handies spielen kaum eine Rolle), die langen Dialoge sind cool, intensiv und unterhaltsam konstruiert.

Das Ganze erinnert deutlich an Jay McInerney, die Geschichte vom Jungen unweigerlich an Nick Hornby, und das Motiv einer Hobbyband Erwachsener in Verbindung mit Drogentransporten stammt direkt aus Gates‘ eigenem Roman Der letzte Rebell (engl. Preston Falls). Anklänge auch an Richard Yates und – weniger deutlich – Updike. Gates‘ spätere Kurzgeschichtensammlung A Hand Reached Down to Guide Me (2015) hat Schwächen gegenüber The Wonders of the Invisible World.

Wiederkehrende Motive:

Die Kurzgeschichten beginnen sehr abrupt und nicht immer ganz verständlich. Neun Stücke haben je knapp 20 (sehr luftig bedruckte) Seiten, vermutlich waren es Auftragsarbeiten für Zeitschriften mit festen Längenvorgaben. Nur eine Geschichte ist deutlich länger (die gleiche Struktur – und einen ebenfalls metaphysisch angehauchten Titel – hat Gates‘ spätere Kurzgeschichtensammlung A Hand Reached Down to Guide Me, 2015).

Zu den wiederkehrenden Motiven gehören Kinder, um einen Mann rivalisierende Schwestern, schwule Paare (im Gegensatz zum öfter lesbisch angehauchten Personal der späteren Kurzgeschichtensammlung), Pflege- und altersbedingte Todesfälle. Immer wieder Ehebruch, Alkohol und Drogen. Die Akteure: häufig Mittdreißiger, Teens und Twens erscheinen gar nicht in den Geschichten.

Schade, dass David Gates nicht mehr Romane schreibt – aber Kurzgeschichten sind wohl lukrativer, wegen der Erstvermarktung in Magazinen (wie schon bei F. Scott Fitzgerald und zeitgleich zu Gates bei James Salter). Ich würde gern mehr Romane von Gates lesen; aber verfilmt oder als Nachbarn wünsche ich ihn mir nicht.

Sometimes razor-edged sarcasm, sometimes heartfelt compassion…“ – die Kritiker:

Washington Post:

almost painfully self-conscious characters full of rue and bitter wit, who know better than they behave… hyper-aware, culture-marinated characters

January Magazine:

…keen observational powers… writers, graphic designers, filmmakers — successful, creative people… With sometimes razor-edged sarcasm

New York Times:

Gates can be very funny, but he is not a satirist — he doesn’t stand that far back from the lives… his best stories are thick with moral implication.

Amazon.com Review:

Manhattan quasi professionals taking their lumps; urbane fortysomethings trying out small-town life. It’s all Updikean adultery, Cheeveresque drinking

Iowa Review:

distinctive voices that engage the reader from the first line. The narrators tell their stories very honestly, and the reader is very close

Salon.com:

Minutiae are his prima materia. But the sadness and vacancy they describe is anything but small-scale.


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