Rezension Kurzgeschichten: The Last Bachelor, von Jay McInerney (2009) – 8 Sterne – mit Presse-Links

Die zwöf Kurzgeschichten spielen überwiegend in schicken oder zumindest atmosphärischen New Yorker Milieus, unter Autoren, Firmenchefs und Damen der Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen Paare, die sich fast immer betrügen. Aber es ist nie das ganz große Drama, auch wegen McInerneys abgeklärten Tonfalls (Stand August 2015 nicht auf Deutsch erhältlich).

Jay McInerney erzählt sehr sicher, baut in wenigen Sätzen plastische Kulissen, zieht souverän in die Geschichten, wechselt später die Zeitebene oder die Perspektive, schreibt knappe Dialoge ohne Wortgeklingel auf den Punkt, schließt schwungvoll mit einer Überraschung oder einer perfekten Rundung. Er schreibt sicher, lässig, unaufgeregt und unwiederweglegbar.

Neues aus Ehebruchhausen:

Wegen der vielen Bettgeschichten und der glamourösen Milieus klingt es etwas wie die Vorabendserie Neues aus Ehebruchhausen. Die Sexszenen wirken auf Dauer fantasielos. Immer wieder geht es um Aussehen, Status, Küsschen auf die Wange, prestigegerechte Platzierungen an Abendtafeln und in Restaurants, Alkohol, reiche Familien, Eheschließung und -scheidung, Karrieren.

Querverbindungen unter den Kurzgeschichten gibt es nicht. Nur wenige Erzählungen beziehen sich auf 9/11 (2006 hatte McInerney die Terroranschläge in seinem Roman Das gute Leben/The Good Life verarbeitet). Die Geschichten ähneln vage denen aus Model Behavior (1998, US-Ausgabe) bzw. How It Ended (2001, UK-Ausgabe). Die Atmosphäre erinnert teils auch an das Paar aus Alles ist möglich/Brightness Falls (1992) – typische McInerney-Szenarien, jedoch spielen Drogen in den Stories aus The Last Bachelor kaum noch eine Rolle, außer in der letzten Geschichte. Teils fühlte ich mich an James Salters Kurzgeschichten aus Letzte Nacht/Last Night erinnert.

Ungewöhnlich für McInerney, dass eine Geschichte mich mehrfach laut lachen ließ: Hier bringt eine Frau ihr Hausschwein mit ins Ehebett, transportiert es im Flugzeug nach New York und dann in einen noblen Apartmentbau. Tom Sharpe hätte daraus einen Brüller gemacht, Michael Frayn eine sprudelnde Farce – und McInerney erzählt es ganz nüchtern, um Verständnis bemüht. In dieser Geschichte verarbeitet McInerney offenkundig Motive aus seiner dritten Ehe, aber ob seine Ex Helens Bransford Schweine hütete, weiß ich nicht (er erwähnt das Schwein jedoch wie eine Realität im Fragebogen der Vanity Fair (Quelle)).

Andere, etwas ungewöhnliche Themen innerhalb des Dutzends:

  • Eine schicke, aber finanziell notleidende Frau versucht einen Millionär zu angeln, bis der beim Juwelier auf eine Überraschung stößt (dieser Gang der Dinge erinnert an Norah Ephrons Heartburn, dt. Titel Sodbrennen oder Quetschkartoffeln gegen Trübsinn, 1983);
  • ein Präsidentschaftskandidat muss seine Geliebte vor der Presse verstecken (keine Clinton-Nacherzählung), diese Frau kennen wir bereits aus Ich schon wieder (1988, engl. Story of my Life);
  • The Debutante’s Return spielt weitgehend in den Südstaaten und blendet zwischenzeitlich 100 Jahre zurück, ähnlich wie zuvor großformatig auch McInerneys Südstaatenroman Das Haus Savage (2006, engl. The Last of the Savages).

„When ambition and love collide… …“ – die Kritiker:

The Guardian, Jason Cowley:

The model for McInerney has long been F Scott Fitzgerald – the title of this collection of stories alludes to Fitzgerald’s fifth and final novel, The Last Tycoon

The Guardian, Alexander Larman:

Individually, each story is witty, beautifully written… Cumulatively, the effect becomes akin to gorging yourself on several courses of the same rich food

The Independent, Katy Guest:

This isn’t the first time that McInerney (right) has recycled his characters and his own life in his fiction

The Independent, Helen Brown:

I’ve often found McInerney, at novel length, too much the swimming pool of vodka. But the short story is the perfect measure

The Scotsman:

Each story begins and ends with a whiff of wistfulness and weary supplication before the chaos unleashed when ambition and love collide…

Paul Cox auf Amazon.co.uk:

Just as I was starting to get to know and like each character, the story would abruptly end and I’d have to start all over again with a new one

The Sunday Times:

In essentials, the ambience of his fiction is the same as Fitzgerald’s Jazz Age one.

ABC:

Think Jay Gatsby with a Blackberry. Or Holly Golightly on Xanax. Urban hipsters. Yesterday’s yuppies.

Goodreads.com: 3,38 von 5 Lesersternen, 129 Stimmen, August 2015

The Telegraph:

McInerney’s prose has a relaxed ease that is hard not to warm to. There is nothing flashy or superfluous about his writing.

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