Rezension Kurzgeschichten: Sommermeteor, von Arno Schmidt (1969) – 6 Sterne – mit Link zu Leseprobe

Die Kurzgeschichten belegen meist nur vier bis sechs Seiten. Viele beschreiben den Alltag eines eigenbrötlerischen Schriftstellers in einer Mittelstadt (Darmstadt, das nicht genannt wird). Er geht gern nachts spazieren und hat ein stets interessiertes Auge für die Damenwelt, ohne bei dieser je ernsthaft zu landen (außer in einer albernen Fantasie). Überhaupt passiert nicht viel – die Attraktion ist Schmidts vollmundige, originelle, nur ansatzweise zu selbstverliebte Sprache, eigenwillig bis in die Satzzeichen hinein. Das klingt deftig, launig, kauzig, aber nie tümelnd, und bereitet viel Freude.

Dazu kommen originelle Vergleiche und Bezeichnungen für Alltagsdinge wie laute Motorräder. Mundarten und Typen seiner Umwelt gibt Schmidt hervorragend wider – verschmitzt verschmidtst. Zum Schluss bringt er in konventionellerem Ton noch einige Stories um den Vermessungsrat a.D. Stürenburg mit makabren Geschichten in der Geschichte.

Inhaltlich ist das alles jedoch banal, die Texte wirken zudem repetitiv, und das bei nur 127 luftig bedruckten Seiten. Schmidt hätte seine Knackstimme besser in eine Romanhandlung investiert, oder zumindest in längere Geschichten, bei denen auch mal etwas passiert. So aber denkt man an kleine Notate am Rande, an flüchtige Tagebucheinträge oder Abfallprodukte eines ansonsten mit Größerem Beschäftigten. Stimmung und Typen erinnerten mich momentweise an Vigoleis Thelen und Frank Schulz.

Die 23 Geschichten stammen offenbar aus dem umfassenderen Buch Trommler beim Zaren. Die gleichnamige Geschichte steht auch in Sommermetor. Auf einem neuen Buchcover steht „21 Kurzgeschichten“, während die Textbeschreibung daneben von 23 Kurzgeschichten redet (hier beim Verlag, hier bei Buecher.de, gesehen im Januar 2018). In meiner alten Ausgabe sind es 23 Geschichten.

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