Rezension Kurzgeschichten: Dämmerung und andere Erzählungen, von James Salter (auch als Fremde Küsten veröff., engl. Dusk and other Stories, 1988) – 6 Sterne – mit int. Presse-Links

Das schmale Bändchen enthält elf nicht verbundene Geschichten à sechs bis 18 Seiten; sie erschienen zuvor in der Paris Review, im Esquire und in anderen Magazinen. Salter steigt abrupt ein; Hintergründe, Vorgeschichte und Verbindungen der Akteure reimt sich der Leser über die Seiten hin selber zusammen – manchmal klappt es.

Mitunter driftet der Fokus des Erzählers, und mindestens drei Kurzgeschichten enden scheinbar abwegig und unaufgelöst. Auch einige Geschichtentitel habe ich nicht verstanden, weder das einzelne Wort noch dessen Bezug zur Handlung. Dafür gab’s viel Kritikerlob und 1989 den PEN/Faulkner-Preis. Salters Geschichten der Sammlung Letzte Nacht/Last Night (2005) wirken insgesamt kompakter und übersichtlicher, bei weiterhin spartanischem Ton.

James Salter schreibt wie immer eminent lesbar, in kurzen, raunenden Sätzen, und das tröstet etwas über die teils rätselhaften, flüchtigen Plots hinweg (ich kenne nur das englische Original und kann die Eindeutschung nicht beurteilen). Salters Figuren sind zwar ehemalige Soldaten, Handwerker und Rechtsanwälte, doch sie scheinen wie der Autor etwas über den Dingen zu schweben – sie reiten zu Pferde übers Land, driften mit dem Auto durch Italien oder trinken Caffe Solo in Barcelona.

Es ist Salterland auch in anderer Hinsicht: Sie kaufen Brie im Feinkostladen, trinken Pauillac, und in zwei Geschichten sorgen sich Autoren um Ruhm und Frauen, keinesfalls um Formulierungen oder Schreibblockaden in Berlin-Mitte. Wie üblich sind die meisten geschieden.

„Makellos…“ – die Kritiken:

Martin Mosebach in der FAZ 1999:

Salter gehört zu den Autoren, die versuchen, den Stil noch ein kleines bißchen mehr zu verknappen.

Der Spiegel, Volker Hage:

Bau und Geschlossenheit der Storys makellos – und die Salter eigene Melancholie kommt besonders gut zum Tragen…

Falter.at:

Nur in wenigen Fällen konzentrieren sie sich auf ein konzis definierbares Ereignis, fast nie laufen sie auf eine Pointe zu.

Literaturkritik.de:

hier erfolgt ein Aneinanderfügen von Sätzen, die inhaltlich oft unzusammenhängend und nie Conclusio der Erzählungen sind.

New York Times, Michiko Kakutani:

Salter is a careful observer of daily life… The best stories in “Dusk“ point up the author’s gift for condensation.

New York Times, A.R. Gurney:

Most of the important characters are Americans, and many of these are well educated and well off, but none of them lives a settled domestic life

Los Angeles Times:

James Salter’s short stories are terse, expertly written and able to command a range of moods with the most economical of gestures

James Salter über Kurzgeschichten in der Paris Review:

Above all, it must be compelling. .. Further, I think, it should be memorable. It must have significance.

  • Goodreads: 4,03 von 5 Lesersternen, 1020 Stimmen, 106 Rezensionen
  • Amazon.com: 4,4 von 5 Lesersternen, 33 Rezensionen (jew. Mai 2016)

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