Rezension Kurzgeschichten: A Lovesong for India, von Ruth Prawer Jhabvala (2011) – 5 Sterne – mit Presse-Links

Die Geschichten spielen in den teuersten Immobilien von Delhi oder Mumbai, vor allem aber in New York: Anders als in frühereren Romanen oder in Kurzgeschichtensammlungen bis Out of India/dt. Eine Witwe mit Geld (1986) portraitiert Ruth Prawer Jhabvala diesmal die Oberschicht und Superreiche – eine Dichterfürstin, Hollywood-Stars, Bollywood-Stars (angelehnt an Amitabh Bachchan), Filmkritiker oder Popmanager, domizilierend in „huge gilded Fifth Avenue apartments“ etc. pp. Die gleichen Orte erscheinen auch in Jhabvalas 1998er Sammlung East Into Upper East: Plain Tales from New York and New Delhi (1998) und in My Nine Lives (2004).

Die Beschreibungen in A Lovesong for India wirken mehrfach banal glamourös und weniger einsichtverschaffend als Praver Jhabvhalas frühere, Mittelschicht-orientierte Stories. Zudem beschreibt Prawer Jhabvala gern sehr ungewöhnliche Menschen und deutet wiederholt homosexuelle Liebesbeziehungen an, mehrfach zwischen Frauen, mehrfach auch begehren reiche Produzenten silbrig charakterfreie Jünglinge; auch sehr enge Geschwisterbande schildert die Autorin öfter.

Sehr konstruiert:

Einige Abläufe erscheinen äußerst konstruiert, aber das superreiche Personal dieser Geschichten kann sich natürlich mehr Kaprizen erlauben als die Normalverbraucher der früheren Bücher. Prawer Jhabvala verarbeitet hier offenbar ihre Erfahrungen als gefeierte Drehbuchautorin nach dem Umzug von Delhi nach New York – schade, dass es so uninteressant, erfunden und persönlichkeitsfrei klingt. Die Geschichten lesen sich jederzeit sehr flüssig, enden aber oft vage mit einer Nebenfigur (wie ein Jazzstück, das auf einem Nonenakkord ausklingt). Die deutliche Mehrzahl der Geschichten spielt dabei dem Buchtitel zum Trotz in New York City oder Upstate New York, nicht in Indien.

Themen, Motive, Orte, Stil und die diffusen Enden erinnern an Prawer Jhabvalas Geschichten aus My Nine Lives (2004). In A Lovesong for India sind die Figuren aber überkandidelter. Die New Yorker Spendengalen erinnern deutlich an die Kurzgeschichten des New York-Chronisten Jay McInerney, der aber cooler schreibt.

Und wer hätte es gedacht, die einst so aufreizend nüchterne Prawer Jhabvala sülzt hier mehrfach mächtig los. Kostprobe:

„Their eyes met and she tried to enter as far into his as she could; they were a deep blue like a woman’s eyes and with a woman’s thick honey-blond lashes.“

„A masterclass in storytelling“ – die Rezensionen:

Guardian:

One curious quality of the stories is that each covers a considerable span of time. They tell a long story; they are almost mini-novellas.

Washington Post:

Here is a collection to remind us why, at 84, Jhabvala stands tall among her contemporary cohort… stylish, unpredictable, singing with humor

The Telegraph:

Her stories reflect her experiences among the artistic elites of India and America. They do not emerge as an attractive bunch

Independent:

((Über die Geschichte „Bombay (pre-Mumbai)“:)) One or two other stories might have succeeded better as short novels; their time span is so long

Patrick French in der Financial Times:

The stories set in India are usually less entertaining than those set elsewhere…. Her writing moves very fast… a fascinating, melancholy, elegiac feeling

Patricia Duncker in der Literary Review:

A masterclass in storytelling and writing beautiful, luminous prose… uncompromising portraits of film moguls, actors and their attendant parasites

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