Rezension Jugenderinnerungen: Hundskrüppel. Lehrjahre eines Übeltäters, von Gerhard Polt (2004) – 3 Sterne

Polt (*1942) wuchs in Altötting auf, kam um 1950 nach München. Die Streiche hier stammen offenbar von beiden Orten, auf 100 äußerst locker bedruckten Seiten (gefühlt 35 normale Buchseiten; auch als Lesung erhältlich).

Gerhard Polt kolportiert ca. 47 flache Dumme-Jungs-Streiche: dem Baby einen Regenwurm gefüttert, dem Nachbarn Schneebälle ans Fenster, eine Wespe in die Torte, solche Sachen. Gern auch in Richtung eklig.

Ab Seite 82 erscheinen ein paar Geschichten im Präsens statt Präteritum, sie spielen offenkundig in der Jetztzeit des Erzählers, mehrere Jahrzehnte nach dem Hauptteil des Buchs, aber nicht klar abgesetzt, unharmonisch. Jede kleine Geschichte hat jeweils eine große Überschrift, aber selten Lokal- oder Zeitkolorit, sieht man von den bayerischen Flüchen der gefoppten Erwachsenen ab (ein Fluch heißt Hundskrüppel, so wie das Buch).

Banal:

Der Inhalt ist meist banal, manchmal fäkal, selten originell. Der Stil gleichwohl griffig, ähnlich wie Oskar Maria Graf in seinen Erinnerungen mit grimmiger Derb- und Boshaftigkeit und Lust am Außenseitertum.

Kaum ein Streich liefert tiefere Erkenntnis, Moral oder auch nur eine Rundung zum Schluss. Man liest so durch, bis es bald auch schon wieder vorbei ist. Gerhard Polt selbst allerdings sieht einen tieferen Sinn in den Geschichten, wie er der Zeit erzählte:

Mir ging es bei dem Buch nicht darum, zu erzählen, was ich für ein wildes Kind war. Im Mittelpunkt stehen die Orte meiner Kindheit, der Metzger, der Bäcker, ein Hinterhof. Das waren Orte der Freiheit und der Auseinandersetzung, und diese Orte gibt es heute nicht mehr. Dieses Verschwinden wollte ich dokumentieren. Übrigens, das Interessanteste an dem Handtaschenraub war ja unsere Begründung: Die Frau war praktisch selber schuld, so leichtfertig, wie die ihre Handtasche herumtrug. Menschen suchen für alles eine objektive Begründung, um sich selbst zu belügen.

Interessante Kritiken zu dem Buch habe ich nicht gefunden, nur noch

Bücher bei HansBlog.de:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.