Rezension hist. Indonesien-Kurzgeschichten: Das ungewollte Leben, von Pramoedya Ananta Toer (1952, ind. Cerita dari Blora) – 6 Sterne

Die Geschichten stammen dem Erzählungsband Cerita dari Blora, die Toer als junger Mann geschrieben hatte (auch Tjerita dari Blora; wörtl. Erzählungen aus Blora, 1952; engl. Ausgabe All That Is Gone, mit teils anderer Zusammenstellung, u.a. gibt es in der engl. Ausgabe eine Beschneidungsgeschichte, die im dt. Band fehlt). Meine dt. Übersetzung des DDR-Verlags Volk und Welt erschien 1966: Übersetzer und Verfasser von Nachwort und Anmerkungen bleiben anonym.

Acht schlichte, leicht lesbare Kurzgeschichten aus dem javanischen Dorfalltag, meist um 30 Seiten lang. Der naive, lapidare Ton, die vielen weiblichen Hauptfiguren, ein paar Prostituierte und die deutliche Kolonialismus-Kritik erinnern an Toers bekanntestes Werk, Garten der Menschheit (Bumi Manusia, 1980). Die Atmosphäre ist nicht sehr intensiv, die Handlung erscheint teils willkürlich, unrealistisch oder hingehuscht; gelegentlich erinnert sie an Toers Biografie. Die vier späteren Geschichten behandeln Freiheitskämpfer, ihre Zeit im Untergrund, ihre Rückkehr zur Familie, Bitterkeit, späte Konflikte zwischen Aktiven und Kollaborateuren.

Meine DDR-Ausgabe hat teils überraschende Schreibweisen („Djawa“, „Atjeh“, „Djokdja“), ein paar überraschende Erklärungen im Anhang („Demokratische Partei: bedeutungslose bürgerliche Partei“) und ein kurzes biografisches Nachwort. Man fragt sich dann, wie neutral die Übersetzung ist. Sprachlich klingt sie meist rund.

Freie Assoziation:

Pramoedya Ananta Toer erscheint auch in der indonesischen Kurzgeschichtensammlung Perlen im Reisfeld


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