Rezension: Gebrauchsanweisung für Kuba, von Jürgen Schaefer (2016) – 6 Sterne

Das luftig-dünne Bändchen hat kein Stichwortregister und reserviert eine Viertelseite für eine Schwarzweiß-Landkarte. Keine Fotos. Es gibt zwei Kapitel unmittelbar zu Havanna, sonst keine regional ausgerichteten Kapitel, sondern Themen wie Oldtimer, Gesundheitssystem, Natur, Familienstruktur, Fidel Castro, Landwirtschaft, Aberglauben. Keine Kapitel jedoch zu Musik, Flüchtlingen und Rückkehrern, Rassenmix, Essen und Trinken (dass Schaefer lieber Bier als Rum pichelt, wird implizit deutlich) (ich hatte die 2016er-Ausgabe, hier ist Raúl Castro Regierungschef) (Musik und Rum sind wichtige Themen des Sammelbands Kuba fürs Handgepäck).

Zwar liefert Jürgen Schaefers Gebrauchsanweisung für Kuba jede Menge interessante Fakten und Hintergründe, auch ein paar knappe Begegnungen, und ein paar mal wird’s richtig lustig – bei den Erfahrungen mit dem kubanischen Geheimdienst, beim Handwerkerbesuch und bei kubanischen Anmachsprüchen. Schaefer verzichtet auch vollständig auf feuilletonistischen Schwulst à la „Land zwischen Leid und Leidenschaft“, „mehr als nur ein Urlaubsland“ oder elegische Hemingway-Reminiszenzen (ein Schwachpunkt des Sammelbands Kuba fürs Handgepäck, 2015). Doch Ex-Kuba-Korrespondent und Geo-Redakteur Schaefer schreibt wenig ansprechend, oft etwas lieblos pflichtbewusst zusammenfassend, ohne persönliche Note, reizarm, teils umständlich und unkompakt; also anders als etwa die markanteren „Gebrauchsanweisung“-Autoren Paul Ingendaay (Spanien, Andalusien), Kai Strittmater (Istanbul)  Birgit Vanderbeke (Südfrankreich); und wiederum anders als „Kuba fürs Handgepäck“ mit seinem Sammelsurium an Autoren.

Der lieblose Stil begegnet zum Beispiel auch im Geschichtskapitel: Schaefer erwähnt die kubanischen Helden seit 1520 einfach so. Diesen Helden sind überall im Land Parks, Straßen, Denkmäler und Institutionen gewidmet, vielleicht auch Geldscheine; man könnte hier aktuelle Bezüge und reizvolle Zeitsprünge herstellen – doch Schaefer erzählt die Geschichte ohne Querverweise auf heutige Erscheinungen. (Wie anders im Vergleich Tom Millers Kubabericht Trading with the Enemy (1992): jede Hintergrundinformation lässt er sich von einem Wissenschaftler, Politiker oder Bauern erzählen, die Begegnung wird Teil des Berichts.)

Deutlich lebhafter wird Schaefers Stil bei Havanna: hier hat er mehrere Jahre gewohnt, seine kubanische Frau gefunden, hier ist wohl immer noch sein Herz („die schönste Altstadt Amerikas“, seine letzten Worte im Buch). Im ersten langen Havanna-Kapitel stellt Schaefer die Stadtviertel einzeln vor – eins der wenigen Kapitel mit Zwischentiteln. Am Ende folgt noch ein separates Kapitel über die Uferpromenade, das thematisch ins allgemeine Havanna-Kapitel gehört hätte. Auch Kapitel wie Oldtimer und Zigarren spielen großteils in Havanna. Andere Städte oder Regionen tauchen kaum auf im Buch – und sie sind ja auch wirklich unwichtig.

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