Rezension: Fremd im eigenen Haus, von Georges Simenon (1940) – 6 Sterne – mit Pressestimmen & Video

Ein leicht verlotterter, weinseliger, alleinerziehender Kleinstadt-Rechtsanwalt muss überrascht feststellen, dass unter es unter seinem Dach nicht nur heimliche Parties und Krankenversorgung, sondern auch einen Mord gab. Georges Simenon (1903 – 1989) beschreibt die Vernetzung der verschiedenen Kleinstadt-Figuren wie Staatsanwalt, Wirt oder Gefängniswärter.

Das ist ganz interessant, allerdings streut Simenon zu erkennbar falsche Fährten aus. Und er überlagert diesen Nicht-Maigret-Roman momentweise aufdringlich mit Psychologie, Einsamkeit und seelischem Erwachen der Hauptfigur. Die Geschichte mündet in eine viel zu langgestreckte Gerichtsverhandlung mit unplausiblen Figuren; fast, als ob Simenon den Roman noch strecken wollte. Der Kriminalfall löst sich dann auch noch reizlos auf (die Gerichtsverhandlung am Ende von Simenons Tropenkoller ist besser, einige andere Romanaspekte erinnern an Simenons Der Mörder).

Simenon schildert knapp, doch mit überraschenden Details. Er schreibt seinen bekannten Stil: weitgehend chronologisch, mit viel Dialog, ohne Verallgemeinerungen und fast ohne Grübeleien – so viel besser als neuere deutsche Autoren. Simenon produziert harte, kurze, ungekünstelte, fast ruppige Sätze, unterbricht Gedanken seiner Protagonisten mitunter im Satz. Das passt gut zur knorrigen Hauptfigur.

Der Roman wurde mindestens dreimal verfilmt, so 1942, 1967 und 1992. Ich hatte die wohl ursprüngliche Übersetzung von Gerda Scheffel (gedruckt 1981, Titel mit Schauspielerfoto), nicht die Ausgabe der Reihe Ausgewählte Romane mit der laut Verlag durchgesehenen  Übersetzung. Die Eindeutschung bei mir zeigte einige befremdlich gewählte Wörter (ich habe nicht mit dem Original verglichen), lässt auf „trotz“ durchgehend den Dativ folgen und überraschte mit dem Nebensatz (sic, S. 97):

…, der zu dieser Stunde sich im Chambre séparée mit hübschen Frauen speiste!…

Assoziation:

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