Rezension: Frauen auf den Philippinen, Kurzgeschichtensammlung 1987 – 5 Sterne

Neben Kurzgeschichten enthält der schmale dtv-Band auch drei biografische Protokolle sowie Gedichte, die ich nicht gelesen habe, weil mir die Lyrik-Ader fehlt. Die Texte stammen ausschließlich von Frauen, u.a. von Ester Vallado DaRoy, Lina Espina Moore, Amelia Lapeña Bonifacio und Ines Taccad Camayo. (Zum Vergleich: Der Band Frauen in Thailand, 1989, bringt fast nur Kurzgeschichten, kaum Gedichte und keine Lebensberichte, teils auch von männlichen Autoren.)

Zu den Themen der Kurzgeschichten gehören der traurige Alltag einer armen Näherin in Manila, verlogene Arbeit im PR-Büro, eine mental ausgestiegene Amerikanerin in Benguet und ihre liebe Igorot-Betreuerin, die schwere Erinnerung an die japanische Besatzung in den Cordilleren, eine Dienstreise auf Leyte mit einer platonischen Romanze; ein Fischerdorf im Taifun. Die Geschichten klingen ernst, ironiefrei, mild poetisch und mitunter anklagend-wehleidig, überwiegend dialogarm. Der politische Umbruch 1986 kommt kaum zur Sprache. Zwei oder drei Kurzgeschichten musste ich überblättern, weil mich partout nichts hielt.

Die Autorinnen der Kurzgeschichten sind überwiegend Akademikerinnen, die auf Luzon leben; die wiedergegebenen Geschichten entstanden scheinbar auf Englisch. Dies geht aus den Notizen zu den einzelnen Autorinnen hervor. Die Eindeutschungen durch Hartmut Traub und Bärbel Dusik klingen ausgesprochen blass – besser liest man gleich auf Englisch (noch mehr, wenn man sich auch für die Gedichte interessiert). Ich kann nicht erkennen, dass auch aus anderen philippinischen Sprachen wie Tagalog oder Ilokano übersetzt wurde.

Besser als die Kurzgeschichten gefallen mir die drei protokollartigen Lebensberichte, die nüchtern chronologisch und unverbrämt mitten hinein ins Leben führen, wenn auch etwas einseitig: Es geht um eine einfache sechsköpfige Familie auf Panay, jeder Schaden am Haus und jede Krankheit gefährdet die Schulausbildung der Kinder; um eine lesbische Lehrerin in Manila, die nur in Hosen unterrichten kann; und um eine linksfeministische Filmemacherin und Sozialaktivistin wieder in Manila mit wechselvoller Familien- und Ausbildungsgeschichte.

In ihrem Nachwort bedankt sich Herausgeberin Katharina Regenhardt beim philippinischen Autor F. Sionil José und dessen Familie und betont, sie habe mit einer Ausnahme nur Schriftstellerinnen aufgenommen, „die mir persönlich bekannt sind“. Ein interessantes Kriterium.


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