Rezension: Ein Brasilianer in Berlin, von João Ubaldo Ribeiro (1994) – 3 Sterne – mit Pressestimmen

Der brasilianische Autor João Ubaldo Ribeiro (1941 – 2014) verbringt 1991 mit Frau und Kindern ein Jahr in Berlin. Das sehr dünne Buch enthält Glossen, die zumeist für die Frankfurter Rundschau – alle gleich lang – und in einem Fall für die Zeit entstanden.

Ribeiro parliert gewandt ironisch verschmitzt, die Übersetzerin Ray-Güde Mertin leistet gute Arbeit und produziert sogar ein Nachwort (dessen Zweck unklar bleibt). Wir erfahren von Ribeiro mehr über Inflation und Geldscheine in Brasilien, hören imaginierte Monologe von imaginären Personen – und sehr, sehr wenig über das Leben in Berlin oder Deutschland aus Sicht eines Brasilianers.

Immerhin: Mehrfach klagt Ribeiro, dass Deutsche ihn laufend auf die Amazonas-Region und auf brasilianische Lockerheit ansprechen. Nacktheit in der deutschen Öffentlichkeit treibt ihn (wie auch die englische Deutschland-Immigrantin Cathy Dobson) um. Doch ansonsten plaudert Ribeiro eloquent immer wieder über nichts Besonderes – guter Job, Thema verfehlt.

Der Nachfolgeband heißt Ein Berliner in Brasilien. Weitere „fremde“ Blicke auf das Leben in Deutschland liefern David Bergmann und Luigi Brogna.

Die Kritiker:

Der Spiegel:

Wenn auch nicht jeder dieser Texte gleichermaßen zugespitzt und treffsicher ist, amüsant und instruktiv sind Ribeiros Notate einer vergleichenden Anthropologie allemal.

Der Standard:

Wenn ein Brasilianer nach Europa kommt, dann bedeutet das einen Zusammenprall von Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein können.

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