Rezension Deutsch-Bücher: Der die was? (2007) und Wie wer das? (2009), von David Bergmann – 7 Sterne – mit Links & Video


Mit etwa 22 beginnt der deutschstämmige Amerikaner David Bergmann Deutsch zu lernen; mit 25 zieht er von Chicago nach Göttingen und Hamburg, um sich weiter in die Sprache zu vertiefen. Davon handeln

  • Der die was? (2007) und
  • Wie wer das? (2009) –

zwei in Konzept, Stil und Inhalt sehr ähnliche Bücher. Der Erstling erschien 2012 auf Englisch: Take me to your Umlauts!: An American goes back to his German Roots.

Verblüffende Beispiele:

Bergmann bringt viele Beispiele, mit denen das Deutsche Nicht-Muttersprachler verblüfft – und die Beispiele verblüffen auch Muttersprachler. Wer jemals Menschen beim Deutschlernen begleitet hat (vor allem solche, deren Muttersprache nicht mit Griechisch oder Latein verbunden ist), kann Bergmanns Irritationen gut nachvollziehen. Bergmann eröffnet einen neuen, fremden, amüsanten, leichten Blick auf die deutsche Sprache.

Bergmann geht einigermaßen gründlich auf Grammatik, Aussprache und Sprachgeschichte ein, er zitiert auch Schulbuchwissen. Dabei plaudert er stets locker dahin, wird nie trocken – Linguistik light. Verblüffend, wie ein Nicht-Muttersprachler so souverän nicht allein mit Wissen, sondern auch mit Sprache selbst jongliert. Parallel, aber deutlich oberflächlicher, erklärt Bermann seine ersten Erlebnisse mit Deutschen in den USA und dann in Deutschland – seine erste Vermieterin, Kommilitonen, Erlebnisse auf der Bank und im Büro. Diese Geschichten erscheinen überwiegend im früheren Buch Der die was?

Autofahren und Tanzschule:

Im zweiten Band gibt es amüsante Geschichten über Autofahren, Tanzschulen und amerikanische Besucher in Deutschland; außerdem mehr über Beziehungen zwischen Englisch, Schwedisch und Deutsch. Und generell vergeht kaum eine Seite ohne harmlose Begegnungen mit hübschen Frauen, doch etwas Ernsteres erzählt Bergmann nie. Er erwähnt im zweiten Band auch mit keinem Wort den Erfolg der ersten Ausgabe (tatsächlich bezieht er sich nie erkennbar auf Ereignisse nach circa 2003). Bergmann verweigert weitgehend Kommentare zu Politik oder Sozialem, sieht man von wiederholter Satire gegen George W. Bushs Wahlbetrug und US-Waffengesetze ab.

In beiden Büchern kalauert der Autor auf Scherz komm raus. Bietet sich ein Späßchen oder ein Sprachspiel auch nur aus der Ferne an – Bergmann kredenzt den Gag, gnadenlos, gelegentlich wiederholt, immer schlicht und bieder. Viele Anekdoten wirken zudem hochkonstruiert.

Das aufgekratzt joviale, holzkasperpuppenhafte Witzreißen ermüdet (ein anderer US-Autor, Charles Greenes, scherzkekst in seinem Deutschland-Abenteuer-Buch Wie ich lernte, die Deutschen zu lieben so hochtourig heißluftig, dass ich nach zwanzig Seiten abbrechen musste). Bergmann klingt mitunter auch nach Biertisch, vor allem wenn er wieder mal Frauen oder Dessouswerbung besingt; immer wieder setzt er vielsagende Pünktchen-Pünktchen-Pünktchen wie Achtung-Witz-Zeichen ans Satzende. Ein Beispiel samt Pünktchen aus dem 2. Band, S. 148:

„Am heikelsten ist es jedoch für männliche Deutschlernende, wenn sie ‚Frau Doktor‘ mit ‚Frauenarzt‘ verwechseln…“

Ebenfalls im zweiten Buch wird Bergmann auch ein paar Absätze lang fidel skatologisch. Die Humorversuche rund um Reeperbahn und Ähnliches klingen ebenfalls nicht sophisticated.

Die charmantesten Wortspiele stammen von Bergmanns Göttinger Deutschlehrerin im Buch 1. Den überlegenen Witz von Mark Twains amüsanten Deutsch-Betrachtungen zitiert Bergmann zwar, er erreicht aber nie dessen Qualität.



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