Rezension: Das blaue Zimmer, von Georges Simenon (Roman 1964) – 8 Sterne – mit 2 Videos

George Simenon beschreibt das Leben in der französischen Provinz wie immer sehr plastisch und mit vielen markanten Details. Der verheiratete Landmaschinenhändler Toni Falcone kurvt über die Dörfer und betreut Bauern. Regelmäßig trifft er sich im Hotel seines Bruders mit einer ebenfalls verheirateten Geliebten; die möchte unbedingt ganz zu Falcone wechseln – doch dem stehen beide nichtbeteiligte Ehepartner im Weg.

Simenon (1903 – 1989) wechselt ununterbrochen die Zeitebenen, erzählt abwechselnd Momente vor und nach der Tat – ohne dass je die Übersicht abhanden kommt. Lange weiß man gar nicht genau, was eigentlich Schlimmes passiert ist, denn den entsprechenden Erzählschnipsel stellt Simenon zufällig weit zurück. Klar ist nur, dass etwas Entscheidendes vorfiel.

Georges Simenon, Freund der Frauen, schildert hier im fortgeschrittenen Alter das Liebesleben seiner Akteure etwas genauer und wollüstiger als in früheren Büchern. Es klingt jedoch nicht nach peinlicher Altherrenfantasie. Lediglich ein physisches Detail wiederholt er zu aufdringlich. Die Geliebte wirkt im zweiten Buchteil etwas besessen und unheimlich.

Die französische Verfilmung mit Léa Drucker und Mathieu Amalric (auch Regie und Ko-Autor) erschien 2014 auch in deutscher Synchronisation. Die mexikanisch-spanische Verfilmung La habitación azul gibt es seit 2002.

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