Rezension Carol Drinkwater: Der Olivenhain (2001, engl. The Olive Farm, Teil 1 der Olive-Reihe) – 3 Sterne – mit Video

Die englische Schauspielerin und Autorin Carol Drinkwater renoviert ein völlig verfallenes Haus in Südfrankreich zusammen mit ihrem neuen deutsch-französischen Lebensgefährten. Nebenbei will sie sich mit den 13jährigen Zwillingstöchtern ihres Partners anfreunden; Französisch spricht sie nur schlecht, den vorläufigen Kaufvertrag versteht sie gar nicht.

Fazit:

Drinkwater schreibt schlecht, gehetzt, zu wortreich. Nicht alle Kapitel handeln von ihrem Haus oder gar von Oliven. Ihre Entscheidungen sind oft sehr schwer verständlich und führen Richtung Desaster. Fast wie eine Reality-Soap. Lesen sollte das nur, wer trotzdem oder deswegen Drinkwaters innere Welt kennenlernen möchte.

Es beginnt mit Katastrophen, Sorgen und Geldnöten. Zunächst gibt es kein Wasser und keinen Strom; Küche und ein annehmbares Bett fehlen monatelang. Während Drinkwater und Mann schon Geld und monatelang Arbeit in die Immobilie stecken, ist der endgültige Kaufvertrag noch nicht unterschrieben. Tragische Momente deutet Drinkwater immer wieder düster an, auch mit Kapitelüberschriften wie „Fire“ oder „Dark Days“.

Atem- und humorlos:

Ich kenne nur die englische Originalfassung von 2001, The Olive Farm. Dort schreibt Drinkwater schlicht bis schlecht: mit knappen Sätzen, aber zu vielen Wörtern und überflüssigen Details, ständigem Präsens und zu vielen -ings klingt sie atemlos und humorfrei. Die deutsche Fassung Der Olivenhain erschien 2003 (Achtung, nicht mit Courtney Miller Santos gleichnamigem Roman verwechseln).

Die meisten Kapitel behandeln die allmähliche Renovierung des Anwesens, gelegentlich erscheinen kauzige Nachbarn und Briefträger. Drinkwaters Partner Michael Noll ist deutsch-französischer Filmproduzent: lockig, braungebrannt, intelligent und stark, hach; doch wir lernen weder ihn noch die Nachbarn näher kennen. Interessante, aber kurze Portraits liefert Drinkwater nur über ihre Stieftöchter und über einen algerischen Helfer.

Provence und Polen:

Ein langes Kapitel schildert den belanglosen Bootsausflug zu den Touristeninselchen Îles de Lérins vor Cannes, hier habe ich weitergeblättert. Diese Inseln werden Teil einer TV-Serie, die Drinkwater schreibt und die ihr Partner produziert (Drinkwater wurde als Schauspielerin bekannt mit Rollen in Shining und Der Doktor und das liebe Vieh).

Die chaotische Produktion der Serie beschreibt sie im Buch, einer der vielen nervenaufreibenden Abschnitte mit kaum nachvollziehbaren Entscheidungen. Dieses Kapitel spielt großteils in Polen.

Astrologie und Aborigines:

Landkarte oder Fotos fehlen. Drinkwater lässt uns jedoch wissen, dass sie und ihre Franzosen zum selben Sternzeichen gehören; sie räsoniert über Aborigines in Australien und breitet Tagträume aus. Drinkwater schmachtet ihren Partner mit vielen Sätzen an und gleitet immer wieder ins Groschenromanhafte:

„Bowled over by our love, we have rushed into this aquisition on a cloud of romanticism… We crawl into bed early, to treasure the joys of love.“

Sogar der Verlag hielt das Buch für zu sülzig (Quelle). Andere wiederkehrende Themen: Hunde; Essen; die umständliche französische Bürokratie.

Good Life und Knoblauch:

Das Haus steht oberhalb von Cannes in der Einsamkeit, so gibt es wenig Dorfleben im Buch. Wir erfahren ein bisschen über Cannes und Nizza, Drinkwater listet die vielen interessanten Läden und Märkte dort. Sie zitiert – wie es sich wohl für ein Good-Life-Buch aus der Provence gehört – immer wieder lange Zutaten-Listen, immer wieder mit „lashings of garlic“.

Das Buch heißt im Original The Olive Farm, und zum Haus gehören 64 Olivenbäume, weitere sollen folgen. Doch bis Seite 235 von 341 erwähnt Drinkwater Oliven nur sporadisch und akademisch, wie als Pflicht gegenüber dem Buchtitel.

Erst ab Seite 236 hat Drinkwater neben Renovierung und Beruf genug Zeit für den praktischen Olivenanbau; hier habe ich sogar zweimal kurz gelacht. Und bald geht es mit anderen Dingen weiter. Später schrieb Drinkwater die sehenswerte Doku-Reihe Die Welt der Oliven (Video unterhalb).

Carol Drinkwater und Patricia Atkinson:

Das Buch hat deutliche Parallelen zu Patricia Atkinsons Buch The Ripening Sun: in beiden Bänden möbelt eine Engländerin zusammen mit ihrem Mann ein verfallenes Anwesen in Südfrankreich wieder auf, zum Schluss werden sie gefeierte Produzenten edler Flüssigkeiten und schreiben Nachfolgebände.

Vor allem jagt ein Problem jagt das nächste, und die Sprache ist humorlos, schlecht, mit Kaskaden unökonomischer -ing-Partizipien. Trotzdem liest man aufgeregt weiter, denn immer neue Desaster drohen, man kennt sich schließlich, und die schlichte, fast nebensatzfreie Stakkato-Sprache kann man schwer weglegen.

Die Lehre: Auch vielgelobte Auswanderergeschichten können banal sein, auch wenn sie gleich in mehreren Bänden erscheinen (so wie bei Drinkwater, Atkinson und auch Victoria Twead). Die besseren mediterranen Auswanderer-Berichte kommen nicht von Peter Mayle, sondern vor allem von Michael Jacobs, Chris Stewart und Annie Hawes.

The Olive Farm und The Olive Season und…:

Neben Romanen, Dreh- und Kinderbüchern schrieb Carol Drinkwater insgesamt sieben „Olive“-Bücher, doch erschien nur dieser erste Teil auch auf Deutsch. Auf Der Olivenhain, engl. The Olive Farm, folgt 2003 The Olive Season mit Drinkwaters erster Schwangerschaft (HansBlog-Besprechung zu The Olive Season); zuletzt kam ein Bildband.

Weiterlesen sollte, wer an Drinkwaters innerer Welt interessiert ist. Dem East Anglian erzählte Drinkwater ihr Leben und damit den Inhalt der weiteren Bände.

Lob und Kritik:

Publishers Weekly:

The book reads, by turns, like a catalogue of the author’s real-estate woes („We have a leaking roof!“) and a ponderous love poem („We are two embarking on this path together. Newly in love. Thrilled by one another… Investing in love, in one another.“). Still, for all its false notes, the book describes life in the South of France with lush, voluptuous appreciation and successfully plays into our fantasies of the Mediterranean „land of liquor and honey.“

Ein Leser bei Amazon.co.uk:

Sadly, however, Drinkwater’s writing style makes the book very nearly unreadable. The writing is flabby and gooey – lush vocabulary is twinned with a paucity of characterisation and explanation. She frequently tells the reader that she loves Michel, yet gives no sense of his character so we can enter into her feelings

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