Rezension: Caesar, von Martin Jehne (Kurzbiografie 1997) – 6 Sterne


Jehne steigt gleich mit einer dramatischen Situation ein (so wie auch Caesar-Biograf Christian Meier) und schreibt ein überraschend markantes, mitunter saloppes und zupackendes Deutsch – nie spröde wissenschaftlich, fast ganz ohne Passiv.

Über Pompeius (S. 38*):

„die personifizierte Extrawurst der römischen Republik“.

Über Caesar in Ägypten (jew. S. 93):

„die Laus im Pelz… ein Elefant im Porzellanladen“.

Das überrascht bei einem Althistoriker, der andererseits“musste“ mit „ß“ schreibt und ein gelegentliches Dativ-e pflegt. Aber wer weniger mit Caesar und seiner Zeit und Welt vertraut ist, kommt bei Jehne schnell ins Schleudern:

Jehne schildert verwandschaftliche oder politische Querverbindungen zu breit und doch atemlos, wechselt manchmal zu rasant den Schauplatz. Wer die Geschichten schon kennt, delektiert sich an den vielen kurz aufgerufenen Details (samt Vergleichen zu Nazizeit und Oswald Spengler). Doch Caesar-Novizen sind mit den Kaskaden fremder Figuren, Regionalnamen, Ämterbezeichnungen und Regierungssysteme überfordert. Ein Beispiel von Seite 52:

Die Haeduer hatten unglücklich gegen die Sequaner gekämpft, die sich den Suebenhäuptling Ariovist zu Hilfe geholt hatten; 61 mußte ein Allobroger-Aufstand niedergeschlagen werden (…)

Eine grundsystematische Biografie nach Art von Martin Gilberts Churchill-Büchern wäre vielleicht langweiliger, aber auch übersichtlicher, unabhängig von der Länge.

Jehne interessiert sich für politische und geopolitische Konstellationen und Caesars Machtpoker. Über Caesar als Mensch oder Feldherr gibt es keine Zeile, ebenso wenig über Alltag in der römischen Republik.

Weitere Kritikpunkte:

  • Gelegentlich gehen Bedeutungen durcheinander, so etwa verwechselt Jehne „verächtlich“ mit „verachtenswert“ (S. 28) oder er stapelt in einem Nebensatz ein „doch“ auf ein „dennoch“. Auch die Verwendung von „Extrawurst“ für eine Person (s.o.) ist unrund, ebenso wie zwei unterschiedliche Tierallegorien für eine einzelne Person auf einer Seite (s.o.).
  • Immer wieder werden die Sätze und Absätze zu lang. Statt Kommata könnte Jehnke ja auch Semikola oder Punkte setzen; die jeweils mehr als eine Seite langen Absätze ab Seite 30, ab Seite 44 und ab S. 93 heben den Lesegenuss auch nicht

Die Fibel aus dem Verlag C.H.Beck hat etwa 113 Seiten Haupttext, dazu etwa 7 Seiten Zeittafel, Literatur- und Stichwortverzeichnis. Es gibt keine Fußnoten, etwa 3 grobe Landkarten und ein oder zwei Reproduktionen.

*M. Ausgabe: 5., aktualisierte Auflage von 2014

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