Rezension Biografien: The Life of Graham Greene, Vol. I 1904 – 1939 (1989), Vol. II 1939 – 1955 (1994), Vol. III 1955 – 1991 (1999), von Norman Sherry – 6 Sterne – mit Pressestimmen

Graham Greene hatte Norman Sherry 1974 zum Biografen ernannt, ihm unbeschränkten Zugang zu allen Briefen und Tagebüchern und über 17 Jahre viele Interviews gegeben – und die Erlaubnis, alles zu zitieren, auch seine Romane. Sherry schrieb von 1976 bis 2002. Er sprach ausführlich mit allen Familienangehörigen, Frauen, Bekannten, Kollegen, las unveröffentliche Teile Greenescher Memoiren und Traumtagebücher. Er zitiert sehr ausführlich – gefühlt ein Fünftel des Texts montiert Sherry aus Romanen, Interviews, Briefen, Tagebüchern, im dritten Band wohl mehr. So entstand eine völlig andere Greene-Biografie als beim konkurrierenden Greene-Biografen Michael Shelden.

Für einen Schriftsteller hatte Graham Greene (1904 –1991) ein ungewöhnlich dramatisches Leben, und nur deshalb las ich Sherrys drei Teile mit insgesamt über 2050 Seiten Haupttext: zwei Weltkriege, ungewöhnlich abenteuerliche Reisen in gefährliche heiße Länder, Times-Redakteur, Spionagedienst, Liebesverwicklungen als höflicher Ehebrecher, Begegnungen mit Machthabern. Zudem ist Greene ein interessanter, dezidiert uneitler und teils eigenwilliger Grübler, der seinen Biografen mahnte (Vol. III, S. 204):

Tell the truth. If it’s for me, fine. If it’s against me, fine. But the truth, Norman – else I’ll haunt you.

Freilich erzählt der langjährige Greene-Begleiter Bernard Diederich von Greenes Aufforderung mit Blick auf den recherchierenden Biografen, „don’t mention my personal life“ (Seeds of Fiction, S. 174). Nach Diederichs Darstellung ging die Initiative zu dieser Biografie von Sherry und nicht von Greene aus, wie es sonst meist heißt. Diederich zitiert viele Briefe von Greene an ihn, die er Norman Sherry nicht zeigte (Quelle).

Ein weiteres Highlight der Sherryschen Greene-Triologie sind viele lange Romanzitate, die Sherry immer wieder mit Graham Greenes Leben verwebt – in Band 3 werden die Romanzitate jedoch zu lang, die Briefzitate ohnehin.

Übersicht der Greene-Biografien von Norman Sherry und Michael Shelden*

N. Sherry,

Vol. I

N. Sherry,

Vol. II

N. Sherry,

Vol. III

Norman Sherry gesamt

 

Michael Shelden
Zeitraum 1904 – 1939 1939 – 1955 1955-1991

1904 – 1991

 

1904 – 1991
ersch. 1989 1994 1999

 

 

1994
Gesamtseiten 783 562 906

2251

 

537
S. Haupttext 725 + 8 Einleitung 505 + 8 Einleitung 825 + 17 Einleitung

2055 + 33 Einleitung

 

488
S. Anhang 56 53 99

208

 

49
SW-Fotodruckseiten 32 24 24

80

 

16
Gewicht 982 g 708 g 1080 g

2770 g

 

876 g

 

 

Grundton kritisch wohlwollend, lobend, diskret, reise-affin, teils jungenhaft

 

fast aggressiv kritisch, fast ad hominem, immer auf der Suche nach Verborgenem
Schwerpunkte Vergleich von Greenes Reisen u. Begegnungen mit Romanen; Greenes Leben außerhalb des Arbeitszimmers erhält relativ mehr Platz

 

Greenes ausschweifende Sexualität, Spionage, Suizidalität, Verrat, Hass u.a. Charakter­eigenschaften; Romaninhalt und –analyse erhalten relativ mehr Platz
Textaufbau vage chronologisch, mit Exkursen

 

weniger chronologisch, deutlicher an Motiven orientiert
Bestes Greene-Werk lt. Biograf The Power and the Glory (danach the End of the Affair)

 

Brighton Rock, aber auch The Human Factor (danach The Power and the Glory, The Heart of the Matter)
zitiert aus Greenes Büchern und Artikeln sehr ausführlich direkt

 

nein bzw. indirekt, da untersagt
zitiert aus unveröff. Tagebüchern, Briefen, eigenen  Interviews sehr ausführlich

 

sehr wenig, außer Vivien Greene
Englisch-Schwierigkeits­grad mittel

 

leicht
Fußnoten sehr viele

 

keine; allg. Quellenangaben pro Kapitel am Buchende

*Sherry als Penguin-TB, Shelden als Heinemann-Hardcover; Shelden hat offenbar weniger Text pro Seite als Sherry

Persönliche Note:

Greene in seinen Romanen schreibt nobel, kühl und diskret. Doch Norman Sherry (1925 – 2016) lässt seine unruhige Persönlichkeit nicht draußen und wirkt oft eigenwillig und teils unreif. Darum ist dies keine *große* Biografie; Sherry nutzt den Greene-Zugang geradezu, um sich selbst hervorzutun. Einige Aspekte:

  • Zum Verdruss auch einiger Profikritiker erwähnt sich Sherry immer wieder selbst („I was drinking with Graham Greene in a pub…“, Vol. I, S. 305; „In his archives I found…“, Vol. II, S. 116; „When I asked Kim Philby…“, Vol. II, S. 120; „in a Fifth Avenue suite in New York, Otto Preminger told me…“, Vol. III, S. 428; „I have three of the six volumes of Greene’s dream diaries…“, Vol. III, S. 528; „In my travels with him ((Greene))…“, Vol. III, S. 616)  und zeigt sich sogar eselreitend selbst auf einem Foto (Vol. III, nach S. 286). Im dritten Band zitiert Sherry dann auch mehrfach Greene-Briefe über Sherry: „That poor Norman Sherry…“ (Vol. III, S. 619); „All this will make a little history for Norman Sherry…“ (Vol. III, S. 631); „Greene had said, ‚The only person I trust is Norman Sherry'“ (Vol. III, S. 702)
  • mitunter reißt Sherry verblüffend flache Witze: So heißt ein Kapitel über Greene als Jugendlichen The Greening of Greene, in einer späteren Überschrift alliteriert er fröhlich Boxing with Burgess, ein Kapitel in Vol. III nennt er From London Books to Cuban Crooks. Über den angeblich schlecht einbalsamierten Ho Chi Minh in Hanoi scherzt Sherry in Band 2, er würde als unbehandelte Leiche besser aussehen.
  • den zahlreichen Kapitelüberschriften folgen stets vielsagende, aber auch unangenehm ablenkende Sprüche unterschiedlichster Denker unterschiedlichster Jahrtausende – und zweimal stammt das Intro-Zitat von Norman Sherry, dabei einmal in Reimform
  • Sherry überfrachtet Teile der Biografie mit aufdringlichen Urteilen. So betont er auf wenigen Seiten gleich mehrfach, dass Alle Herrlichkeit auf Erden/The Power and the Glory exzellent und Greenes bestes Stück sei, und kein Buch bespricht er wohl so ausführlich. Auf Nr. 2 sieht Sherry The End of the Affair, insgesamt habe Greene 11 Meisterwerke geschaffen. (Auch das dröge Journey Without Maps lobt Sherry gleich mehrfach: „unquestionably one of the best travel books of the period“, Vol. II, S. 212; „probably one the best travel books of our time“, Vol. III, S. xxvi; „one of the best travel books of the century“, Vol III., S. 259)
  • manchmal wertet Sherry adjektivisch selbst kürzeste Zitate („with a direct honesty, though a little patronisingly“, Vol. I, S. 142; „painful reading“, Vol. I, S. 201; „somewhat asinine“, Vol. II, S. 489; „wonderfully open style“, Vol. II, S. 500; „a clever dismissive line“, Vol. III, S. 29). Solche Einstufungen sollte der Autor dem Leser überlassen (oder sollte der HansBlog die Entscheidung zur Einstufung dem Autor überlassen?)
  • vermeintlich Kurioses besiegelt Sherry im 1. und 3. Band öfter jovial mit Ausrufezeichen (und zitiert im 3. Band, S. 652, einen Kritiker, der „italics and exclamation points“ als sehr un-Greene verurteilt)
  • Sherrys Kommentare zu Greenes Liebesleben klingen immer wieder pubertär und obsolet
  • bei Greene ist Gewalt fast nur als Hintergrund präsent, Sherry jedoch walzt die Gräuel in Greenes Reiseländern Vietnam, Kuba und Haiti völlig unnötig aus (u.a. „Blood splatters on the floors and walls of the Tontons Macoute interrogation rooms…“, Vol. III, S. 319). Auf drei Fotos zeigt Sherry Hinrichtungsopfer, u.a. einen Erhängten (später einen leprösen Hodensack)
  • gelegentlich vor allem in Vol. III erwähnt Sherry naiv die Jetztzeit des schreibenden Biografen („As i write these lines in December 2000, i have learned…“, Vol. III, S. 509) und er führt einige Einzelheiten mehrfach an; offenbar verlor er die Übersicht über sein Buch und wurde nicht ordentlich lektoriert

Dazu kommt: Stil und Aufbau sind über drei Bände hin nicht einheitlich, Sherry zitiert Greenes Liebesbriefe zu ausführlich, zeitgenössische Rezensionen zu Greenes Büchern aber zu knapp, verschweigt Konkurrenten auf den Bestsellerlisten und verliert im langen, ausfransenden dritten Band ganz den Fokus.

Wanderlust:

Sherry besuchte wohl jeden Ort, den der sehr abenteuerlustige Greene je bereiste – ein kühnes Unternehmen, nicht zuletzt bei Greenes dramatischer Liberia-Wanderung. Zumeist berichtet Sherry erfrischend wenig von seinen persönlichen Eindrücken. Er merkt nur an, dass sich Saigon seit den 1950er Jahren deutlich veränderte, Liberia immer noch korrupt ist, und er traf in Mexiko einen Händler, den Greene schon 40 Jahre zuvor sah.

Umgekehrt schildert Sherry über mehrere Seiten Greenes öffentliche Attacken gegen den Dramatiker Noël Coward und Cowards unterhaltsam gereimte Repliken, ohne den Hintergrund für die Auseinandersetzung zu erklären – obwohl Sherry doch immer wieder mit Greene sprach und auch frei psychologisiert („he has a neurotic terror of passivity“, Vol. I, S. 157).

Auf über 2000 Seiten Haupttext fielen mir nur drei rhetorische Fragen auf (für mich ein Allergen) und kaum eindeutige Tippfehler (noch ein Allergen); allerdings:

  • „his face was a bloody mass“, Vol. III, S. 139, als Zitat ohne „sic“
  • „Greene was learning ((sic)) towards Torrijos, with whom he was becoming increasingly friendly“, Bd. III, S. 567
  • ein paar Satzzeichen erschienen mir anfechtbar.

Einige Hauptfiguren nennt Sherry fraternistisch meist beim Vornamen, bei Greene verwendet er mal Vor-, mal Nachname.

Weitere Ungleichmäßigkeiten über das Gesamtwerk hinweg stören begrenzt:

  • So bringt Sherry im ersten Band gelegentlich Strichgrafiken wie Pläne oder Repros auf den normalen Textdruckseiten, im zweiten und dritten Band jedoch nicht;
  • auf über 2000 Seiten Haupttext markiert Sherry die Leerzeile zwischen zwei Abschnitten Sherry-Text praktisch immer mit einem Sternchen, etwa vier Mal in Band 1 jedoch nicht (S. 368, 502, 593, 624). (Die Leerzeile zwischen Sherry-Text und Zitaten hat generell kein Sternchen.)
  • der Umgang mit Fußnoten ist nicht ganz einheitlich, ebenso die allgemeine Textstruktur, zum Beispiel die Vorstellung von veröffentlichten Büchern.
  • im dritten Band scheint Sherry subjektiver zu schreiben, weniger fokussiert, willkürlicher zu gliedern, dezidiert unchronologisch und ist zu erschöpft, um lange Zitate sinnvoll zu kürzen

Zwar klingt Sherrys Ton gelegentlich etwas atemlos und eigenwillig, doch er lässt sich jederzeit leicht lesen. Freilich ordnet Sherry nicht nur einige Zitate nicht ein, auch andere schlichte Daten und Fakten unterschlägt er, etwa wann (nicht wie) sich Greene und die wichtige Partnerin Catherine Walston genau begegneten und wie groß der Altersunterschied war; das muss man sich auf Umwegen herleiten. Überhaupt klingt Sherry zuweilen eher wie ein Kenner, der auf Basis vorausgesetzter Kenntnisse Feinheiten diskutiert, statt erst einmal die Grundlagen auszubreiten.

Dramatisch:

Wer zunächst nur einen Band lesen will, sollte Band I oder 2 nehmen. Die Jahre in Vol. II, 1939 bis 1955, gehören zu Greenes spannendsten Lebensabschnitten, mit Krieg, Spionage, Liebe, Reisen in tropische Krisengebiete und Abfassen der bekanntesten Romane. Dieser Band II umfasst nur 14 Jahre, während Band I und III jeweils deutlich mehr als 20 Jahre abdecken (freilich auch mehr Seiten haben). Alternative: Band I enthält die besonders anstrengenden und exotischen Reisen durch Liberia und Mexiko, außerdem über viele Seiten Greenes Liebesbriefe an seine spätere Frau Vivien. Band III fällt auf jeden Fall ab, weil er länger, aber schwächer geschrieben ist und weil weniger passiert.

Band II beginnt mit London im Krieg: Graham Greene schickt seine Familie in die Provinz und schreibt, um schnell Geld zu verdienen, zwei Romane parallel: Vormittags den als „entertainment“ gedachten Spionageroman The Confidential Agent mit 2000 Wörtern pro Tag, nachmittags langsamer Die Kraft und die Herrlichkeit/The Power and the Glory (1940) über Mexiko; daneben reichte die Zeit für eine außereheliche Affäre. Dieser Buchabschnitt geht spannend weiter: Greene ist Spion in Sierra Leone, dann Geheimdienstler unter Kim Philby in London, dann Verleger, während Raketen auf London prasseln – und schließlich steht Greene zwischen drei Frauen.

Anfang der 1950er-Jahre reist Greene mehrfach in Krisengebiete nach Malay(si)a, Vietnam und Kenia. Die Unruhen in diesen Ländern erzählt Sherry, offenbar selbst fasziniert, teils zu ausführlich und mit wenig Bezug zu Greene. Nur aus den Vietnam-Besuchen machte Greene einen Roman – den Stillen Amerikaner/ Quiet American – und Sherry vergleicht Greenes Romandarstellung minutiös mit den historischen Abläufen, spricht mit Militärs und Geheimdiensten. So erfahren wir auch, dass eine bestimmte Bombe tatsächlich eine Stunde früher oder später hochging als von Greene erzählt; wichtig?

Zu Beginn der Bände II und III fasst Biograf Norman Sherry die vorhergehenden Teile auf wenigen Seiten zusammen. Die Übersicht vor Band II klingt aber wie poetisches Raunen, ganz anders als der Hauptteil der Biografie; man kann sich auch gut bei Wikipedia oder Greeneland schlau machen.

Am Ende von Band 2 folgt eine halbe Seite Ausblick auf Teil 3. Dieser dritte Band gerät mit 825 Seiten Haupttext besonders lang – auch weil Sherry die späten Romane Ein ausgebrannter Fall/A Burnt-Out Case und The Comedians/Die Stunde der Komödianten zu ausführlich zitiert und dekonstruiert und weil er die haitianische Innenpolitik vor Greenes Eintreffen viel zu detailliert nacherzählt. Ein wichtiges Buch über Graham Greene in Haiti und Mittelamerika konnte Sherry nicht kennen: Bernard Diederichs aufschlussreiches Seeds of Fiction, Graham Greene’s Adventures in Haiti and Central America 1954 – 1983 erschien erst 2012. Der erfahrene Journalist und jahrzehntelange Greene-Begleiter Diederich hat nur einen Kurzauftritt bei Sherry, bei Shelden erscheint er nach meiner Erinnerung gar nicht.

Detailreich:

Auch sonst gerät Sherrys Biografie manchmal zu lang, vor allem bei Greeneschen Seelenqualen: Da ist einmal der offenbar mild sadistische Schüler Carter, den wir im ersten Band sehr ausführlich kennenlernen – ohne dass Sherry wirklich viele Details zu benennen weiß. Und über (zu) viele Seiten schildert Sherry in Band 1 Greenes euphorische briefliche Belagerung seiner Angebeteten und späteren Ehefrau Vivien und in Band 2 Greenes außereheliches Schmachten nach Catherine Walston, die jedoch wenig Zeit für ihn erübrigte.

Zur Zeit der Vivien-Kampagne war Greene immerhin jünger und zeitweise lustiger. Doch Greenes sehnsüchtige, eifersüchtige, gelegentlich erotische Briefe an Catherine zwei Jahrzehnte später ermüden auf Dauer in Band 2 und dann erneut in Band 3 – sie klingen nach einem Teenager, der Greene gelesen hat, doch Greene war schon Ü40. Weil Sherry kaum Catherine-Reaktionen schildert, wirkt Greenes weit ausgewalztes Schmachten noch monomanischer.

Auch Greenes selbstquälerische Unfähigkeit zur Zeit der frühen Catherine-Beziehung, sich klar von Ehefrau Vivien und Liebhaberin Dorothy Glover zu trennen, befremdet und quält. Von der einst so ausdauernd beschmachteten Vivien selbst erzählt Sherry praktisch ebensowenig wie von Catherine Walston, obwohl er mit Vivien gesprochen hatte und ihr Tagebuch zu Graham Greenes Erlebnissen zitiert.

Viele weitere Greene-Affären und Puffbesuche behandelt Sherry meist diskret, erwähnt teils nur vielsagend herausgerissene Tagebuchseiten; Greene-Biograf Michael Shelden erzählt teils mehr, weil er sich viel mehr für dieses Thema interessiert. Greenes Familie war mit Sherrys Veröffentlichungen dennoch wohl sehr uneinverstanden (auch Greene selbst war über Vol. I laut Bernard Diederich „displeased and embarrassed“ (Seeds of Fiction, S. 289). Wohlgemerkt: Sherry klingt über drei Bände nie boshaft, sondern zumeist respektvoll freundlich, auch wenn er Greenes frühe Bücher vor Stamboul Express schlecht findet.

Selbst wenn Norman Sherry den bösen Mitschüler Carter, die Vivien-Anbetung und die ferne Loverin Catherine wie auch die Konfliktlinien in Malaya und Kenia zu ausführlich schildert – nicht immer übertreibt Sherry die Details: So liefert er im Band 1 wenig über Greenes Eltern und ihre Zeit, praktisch nichts über Greenes Großeltern; so zurückhaltend schreiben nicht alle Biografen. Schon auf Seite 64 von über 2251 Seiten Haupttext endet bei Sherry der 1. Weltkrieg und Graham Greene wird 14.

Laut Sherry stritten die beiden Greene-Biografen Shelden und Sherry einmal lautstark in einem Buchladen, „the shop had to be hosed down afterwards“ (Vol. III, S. 234). Sherry zitiert und widerlegt Shelden ausführlich im Fall von Greenes Streit mit den Behörden in Nizza und Frankreich in den 1980ern, würdigt ihn aber sonst kaum; Sheldens Antisemitismus-Vorwurf gegen Greene bestätigt Sherry stark abgemildert (Vol. III, S. 733ff). Im dritten Band zitiert Sherry auch Greenes Kongo-Tagebuch In Search of a Charakter und Bernard Diederichs Erinnerungen an Greene, Seeds of Fiction.

Nicht chronologisch:

Dabei erzählt Sherry generell nicht strikt chronologisch. Er greift ein Thema auf, das er eventuell ein paar Jahre lang verfolgt (z.B. Greenes Reisen oder Arbeit). Dann schwenkt er zurück und setzt mit einem anderen Thema neu an (z.B. Greenes Beziehungen). Immer wieder vergleicht Sherry Greene-Äußerungen aus verschiedenen Jahrzehnten oder Zusammenhängen zu einem Thema – interessante Einblicke dank guter Übersicht des Biografen. In Band 3 schwenkt Sherry zu willkürlich hin und her.

Das nicht-chronologische Narrativ bringt allerdings überraschende, abrupte Themenwechsel mit sich. Nur die sechswöchige Liberia-Wanderung im ersten Band folgt ungewöhnlich geduldig der Chronologie ohne lange Querschnitt-Exkurse zu Figuren oder Zeiten.

Eines dieser nicht-chronologischen Kapitel ist Greene als Filmkritiker gewidmet. Seine Besprechungen aus den späten 1930er Jahren klingen fast pubertär aggressiv – und brachten ihm auch eine verhängnisvolle Klage aus Hollywood ein. Aus den zitierten Rezensionen erhellt eine Greensche Ästhetik und, laut Sherry, früher Greenescher Anti-Amerikanismus. Zusammen mit vielen Greeneschen Buchbesprechungen, auf die Sherry in anderen Kapiteln auch eingeht, entstehen so neue Perspektiven auf Greene.

Dichtung und Wahrheit:

Greene nahm seine Romanfiguren aus dem wahren Leben, und Sherry spürt viele Vorbilder auf, so etwa aus Greenes Zeit in Sierra Leone um 1942. Auf dieser Basis schrieb Greene Das Herz aller Dinge/The Heart of the Matter. In der Hauptfigur Scobie sieht Sherry viele Elemente von Greene selbst, und die Romanauszüge in den Sierra-Leone-Kapiteln zählen zur besten Prosa in der gesamten Biografie. Auch in Das Ende einer Affäre/The End  of the Affair und im Stillen Amerikaner entdeckt Sherry Greene-Stellvertreter, Greene-Liebhaberinnen, Greene-Bekannte und Figuren der Zeitgeschichte, die in langen, spannenden Romanauszügen zu Wort kommen. In diesen und anderen Romanen ortet Sherry auch frühe Greene-Kindheitserinnerungen, beim Thriller Brighton Rock zeigt Sherry sogar einen Brighton-Stadtplan.

In Teil 2 zitiert Sherry immer wieder unterhaltsam, aber knapp aus Briefen des Greene-Freundes Evelyn Waugh, dessen Sohn Auberon erscheint öfter am Ende von Vol. III; Joseph Conrad (ein früheres Sherry-Studenienobjekt) ist auch wichtig. Ein eigenes Kapitel gilt der späten Kontroverse mit Anthony Burgess, zudem referiert Sherry ausführlich Burgess‘ Kritik an Greenes Reisen mit meiner Tante/Travels with my Aunt. Eine weitere Dichter-Auseinandersetzung gibt es mit J.B. Priestley in Vol. I. Zudem hilft Greene bei der Veröffentlichung von Nabokovs umstrittener Lolita.

Andere Dichter spielen keine große Rolle. Verteilt über die drei Bände gibt es Spurenelemente von Rudyard Kipling, Austen, H. James, W. Somerset Maugham, Aldous Huxley, R.K. Narayan (ein Greene-Freund), Dostojewski, Hemingway, Iris Murdoch, Ian Fleming, Norman Mailer, V.S. Naipaul (Vol. III, S. 408, nicht im Register vermerkt), Paul Theroux (auch nicht im Register, obwohl „admired as a writer by Greene, distinctly admired by Greene’s biographer“, Vol. III, S. 822, s.a. Vol. III, S. 729), V.S. Pritchett, John Steinbeck, David Lodge, William Faulkner, Gabriel García Márquez, dazu die Greene-Verwandten Christopher Isherwood und Robert Louis Stevenson. Gar nicht figurieren John Updike, Richard Ford und F. Scott Fitzgerald.

Greene trifft bei seiner Film- und Theaterarbeit berühmte Schauspieler und Regisseure, u.a. Carol Reed, Alec Guiness, Peter Ustinov, Orson Welles, Richard Burton, Elizabeth Taylor, Charlie Chaplin, außerdem süd- und mittelamerikanische Staatslenker wie Castro, Allende, Torrijos, Noriega, Ortega, dazu Gorbatschow, aber offenbar kaum westeuropäische oder amerikanische Spitzenpolitiker, weder Churchill noch Thatcher.

Buchaufbau:

Die schweren Penguin-Taschenbücher mit Sherrys Dreiteiler habe ich gebraucht gekauft. Sie waren perfekt gebunden: Alle Seiten saßen auch bei deutlich gebrauchten Bänden perfekt fest, und die voluminösen Schwarten blieben willig aufgeschlagen liegen. Viele andere dicke Taschenbücher sind schlechter gebunden. Allerdings fehlten im 3. Band vier Seiten, also zwei Blätter – so perfekt entfernt, als ob sie nie dagewesen seien.

Randbemerkungen packt Sherry in mit Sternchen markierte Fußnoten direkt auf der passenden Seite. Dazu kommen viele nummerierte Fußnoten am Buchende. Sie enthalten weitestgehend nur Quellenhinweise, die man normalerweise nicht nachschlägt. Allerdings verstaut Sherry auch hier (vor allem in Vol. II) gelegentlich längere inhaltliche Anmerkungen – die gehören jedoch direkt auf die betreffende Seite und nicht ans Buchende.

Außerdem: Nicht alle Zitate im Lauftext beschreibt Sherry schon im Lauftext so eindeutig wie erforderlich: Teils weiß man nicht, ob ein Zitat aus Roman, Artikel, Brief oder Gespräch stammt, aus welchem Jahrzehnt, von wem es stammt oder wem es galt. Um solchen O-Ton richtig einzuordnen, muss man also doch hinten in den Fußnoten wühlen. Zahlreiche Zitate in der ersten Hälfte von Band 1 erscheinen ganz ohne hochgestellte Nummer. Die 24 oder 32 SW-Fotodruckseiten pro Band sind in meinen Penguin-TB-Ausgaben gut gedruckt, aber die Fotos meist nicht datiert (während Sherry bei undatierten Briefen stets ein Schätzdatum nennt). Es gibt in allen drei Penguin-TB-Bänden keinen Stammbaum, keine Zeittafel und keine Manuskript-Repros (eine handschriftliche „List of Favourite Prostitutes“ zeigt Sherry dagegen sogar doppelt plus Transkription, außerdem ein handschriftliches, stark redigiertes Gedicht, jeweils in Band 3, dazu ein paar Unterschriften in getippten Briefen). Primär- und Sekundärliteratur listet Sherry ebenfalls nur im dritten Band.

Assoziationen:

  • Greenes kecke Studentenjugend erinnerte mich deutlich an Biografie und Geschichten von F. Scott Fitzgerald (der freilich Jahrzehnte früher und tausende Kilometer westlich studierte)
  • So wie Greene seinen Biografien Sherry einlud und mit Material versorgte, so verabredete sich einst V.S. Naipaul mit seinem Biografen Patrick French. Bei beiden Kooperationen klingt die Biografie nicht überaus freundlich und hat sich der Biografierte nicht oder spärlich zum Ergebnis geäußert, bei Sherry-Greene haben die Verwandte sogar deutlich widersprochen

Well-written and widely praised…“ – Stimmen speziell zum 1. Band (1989):

Mir begegnete nur ein einziger Kommentar Greenes zu dieser ersten systematischen Greene-Biografie – in Bernard Diederichs Greene-Memoiren Seeds of Fiction, 2012, S. 289:

„It’s far too long“, Graham said bluntly. He said he was displeased and embarrassed by the biographer’s examination of his personal life from 1904 to 1939… „Is there really any need to publish letters to one’s wife in their entirety?“ (Returning from Graham’s funeral in Switzerland, Sherry defended the biography: „My God, but there were more than 2,000 of those letters,“ he told me.

Greene-Biograf Michael Shelden in Graham Greene, The Man Within (1994, S. 15ff):

In 1975 Greene decided to appoint an official biographer, someone who would tell his story with a certain degree of sympathy, admiration and restraint… The book does a great service in providing abundant evidence from restricted documents… within his generally sympathetic narrative, he found room for exposing some of Greene’s less pleasant qualities.

New York Times:

Graham Greene’s years have been full of high adventure, great achievement, much drama, no small amount of romance; and he has been continually available to his chosen biographer, as have been his wife, Vivien, and various relatives and friends… (Über die Liberia- und Mexiko-Kapitel:)) The chapters that narrate those excursions are compelling and touching, the best in the book. Norman Sherry’s own restless inquiries carefully mirror those of his subject (he followed Mr. Greene’s tracks, interviewed everyone he could find connected to those expeditions) and show a side of the novelist far more interesting and convincing than the familiar one of the bored or disheartened and troubled upper-class 20th-century existentialist. Mr. Greene suddenly becomes a character out of the Conrad stories he admired.

Kirkus Reviews 1995:

…sometimes overly exhaustive…

The Guardian 2004:

…well-written and widely praised…

London Review of Books (1989):

…highly readable…

Los Angeles Times (1989):

Greene chose Sherry, the latter tells us, partly out of admiration for a book he had written about Joseph Conrad. At the same time, Greene wrote a friend that his biographer-to-be „has the great advantage of not knowing me.“ Considering that Greene was reluctant to have a biography done at all, and only gave in at the urgings of relatives, the phrase has an odd ambiguity… it is remarkable how little, despite 12 years work and thousands of miles traveling, Sherry has managed to get beyond what Greene has already chosen to put out about himself… The results of Sherry’s travels are relatively meager, though discussed at length and ploddingly… The fundamental defect in this biography is not a matter of sources, nor a lack of assiduousness nor an overbalancing use of what Greene himself has written. It is in the mediocrity of the biographer’s thought and style… few who admire Greene’s writing are likely to put up with Sherry’s.

„Entsetzlich langatmig…“ – Pressestimmen speziell zum 2. Band (1995):

Spiegel:

Der fleißigbotmäßige Chronist blickt milde auf seinen Heros und betont den Leidensdruck, dem Greene sich gerade in jenen Jahren ausgesetzt sah.

Die Zeit 1996:

…entsetzlich langatmig und eher für Studierende als für Leser geschrieben und drittens weniger amüsant ((als Sheldens Greene-Biografie))

New York Times 1995:

…Norman Sherry, who brings to the pursuit of Graham Greene an obsessional, relentless passion for detail and the sifting of ambiguous evidence worthy of the curious object of his unremitting investigations. The result is a book in which we meet the biographer as bloodhound, evidently relishing the thrill of a chase that has taken him on long journeys, through many archives, to many encounters with witnesses… what Mr. Sherry gives us in this second volume of his massive study of a grotesquely complicated life is a compulsively readable, astutely humane account… this fascinating book

David Lodge in New York Review of Books 1995:

Sherry’s work, when completed, will be the definitive biography of record, and it is already a remarkable and heroic achievement. But there are times, especially in the second volume, when the shape and rhythm of Greene’s life are blurred and smothered by the plethora of information, and by its thematic (rather than chronological) organization…

Kirkus Review 1995:

This mid-life installment of Greene’s authorized biography has all the thrills of the writer’s „entertainments“ and the emotional complexity of his serious works… nary a dull page… Sherry is at his best retracing Greene’s activities in Vietnam, recreating the wartime atmosphere and investigating the sources and inspirations for–as well as the distortions in–The Quiet American. Sherry’s admirable work beats out even the writer’s own memoirs as the definitive account of his life

Publishers Weekly:

he has enjoyed extraordinary access to Greene himself before his death in 1991, to his much-abused wife, Vivien, and even to Greene’s spy buddy Kim Philby in Moscow. He journeyed to many of the exotic places Greene wandered in his peripatetic life, and he has emerged with a riveting picture of a man profoundly at odds with life… in sometimes numbing detail… Sherry himself writes so well, and he so skillfully integrates Greene’s own words, published and unpublished, that he turns his biography into something truly special

Los Angeles Times 1995:

((Sherry)) portrays him in just those attitudes and colors he would have approved. No renaissance pope could have commissioned more skilled and persuasive flattery than this portrait, which presents Greene as the Representative Man of his time and place, the last, tragic heir of the British Empire… other people’s illicit affairs tend to be a bore to everyone but the errant lovers. For chapter after chapter the biography becomes a clutter of daisy petals: She loves me, she loves me not, she loves me. . . .

Chicago Tribune 1995:

Norman Sherry brings many skills to the biographer’s art. He’s a wonderful synthesizer, a canny stylist and a sharp reader… Sherry perceives Greene fully and clearly, showing him from many angles and capturing the different facets of his personality… As thorough and insightful as the first (1989) volume of his „Life“ was, it comes short of this second installment. Having lived longer with his materials, Sherry writes about them with more ease and aplomb… the outspokenness with which Sherry discusses Greene himself. Greene’s death freed Sherry to take more risks, to worry less about giving offense and to probe more deeply into the relationship between Greene’s writing career and his personal life…

„He fails to bring him to life…“ – Pressestimmen speziell zum 3. Band (1999):

Viele englische Rezensionen zum letzten Biografie-Teil waren mit einem berühmten Greene-Buchtitel überschrieben, The End of the Affair.

Paul Theroux in der New York Times:

For anyone interested in Greene’s life and work, this three-volume biography is incomparable; as an intellectual and political history of the 20th century it is invaluable; as a literary journey, as well as a journey across the world, it is masterly; as a source book and rogues‘ gallery it is fascinating. Sherry is not the stylist Leon Edel was when he wrote his five-volume life of Henry James…

Nach diesem nichtssagenden Einstiegt kommentiert Theroux sehr ausführlich Greenes Leben, aber nicht die Qualität der Biografie, er vergleicht auch nicht mit Shelden. Vielleicht noch länger mit noch weniger Biografie-Kritik schreibt

Christopher Hitchens in The Atlantic:

I think that what surprised me the most, when I had finished, was his ((Greene’s)) sheer conservatism.

The Guardian 2004:

Badly written, full of lazy assumptions and statements of the crashingly obvious. Borrowing the title of a Greene novel, Sherry has apparently described himself as „a burnt-out case“, attributing illness and family problems to his exhausting task… Sherry met Greene lots of times and interviewed him extensively. Yet, over the course of 800 pages, he fails to bring him to life… It becomes a challenge to see what we can of Greene in spite of this intermediary. It is like jostling with someone to spy through a key-hole. You want to yank Sherry away, to get a better look at Greene, but his commentary obscures the view. Many of his observations mean next to nothing… his subject’s legacy is not served well by this final volume of biography.

Kirkus Review:

Marked by sorrow and disappointment, but plenty of fascinating adventures. An exemplary biography, of profound interest to admirers of Greene’s work

Publishers Weekly:

Sherry diligently tracks down the actual inspirations for fictional characters and situations (as well as possible work by Greene for the British secret service) and judiciously discusses Greene’s idiosyncratic Catholicism… With Sherry’s access to all Greene’s papers, his personal bond with his subject and his keen understanding of the enigmatic author, Sherry has no biographic rival; this work is authoritative

The New Republic:

Greene was scouting around for a reputable yet manipulable Boswell, who could be encouraged to tell the truth but was likely to have dominant interests that did not emphasize the psychosexual. Norman Sherry, a onetime Catholic and current professor of English, whose previous work on Joseph Conrad was famous for retracing all the secretive Pole’s foreign travels and hunting out potential originals for his characters, seemed just such a candidate. Greene carefully inspected him over lunch at the Savile Club in London and decided that he would do… Though Sherry is too modest to include himself in its index, he figures quite noticeably, and to what British critics in particular have found an unseemly degree, in this final volume. He uses lines from his own poetry as epigraphs. He prints a quite appalling prose meditation, apropos Greene’s death… ((Über Vol. III:)) The longest, slackest, and most self-indulgent of the three… We could have done with more of our man in Havana or Port-au-Prince and less of the guilt-ridden Catholic sexpot. Perhaps by way of compensation, Sherry takes care to give us, in each case, a full, knowledgeable, and, when it comes to Haiti, brilliant survey of the political background. But he also sidesteps embarrassing characters, such as the drop-dead beautiful Australian Jocelyn Rickards, with whom Greene was having a very active affair… mind-numbing detail… Sherry’s other major problem is his writing style. Breezy and conversational, full of intimate asides, curdlingly mixed metaphors, and sometimes embarrassing aphorisms, chopped up into short sections with attention-grabbing titles, his prose too often reads like the paragraphs of a jaunty literary gossip columnist… the private life of their author is now more familiar to me than I find altogether comfortable

Washington Post:

Where Sherry applies literary criticism to Greene’s writing, the claim cries out for substantiation… partly due to Sherry’s circular narration, there is a repetitive feel to The Life of Graham Greene; similar incidents are recast and understood from different perspectives… Yet for all his travels and interviews, Sherry sheds little light on how Greene could have justified to himself the pain he caused Vivien and Dorothy Glover

Los Angeles Times:

…almost unsettlingly intense: subjective, engaged and then some. Sherry suffers from being the man who knows too much, plunging himself (and us) into all manner of conflicts and controversies, romantic and political, religious and literary, large and small, that were such a constant feature of Greene’s life. Mistaking literary detective work for literary criticism, he goes to unnecessary lengths to track down real-life „originals“ for Greene’s fictional characters

Times Higher Education:

Self-indulgent digressions say more about the biographer than his subject… it is strangely unsatisfying: at the end you are left with the feeling that the real Greene has never materialised. Much paper is sifted and numerous witnesses interrogated, but the subject slips through his biographer’s fingers… ((Über die vielen wörtlichen Zitate:)) The unfortunate result is that Sherry allows them to dominate, devoting whole chapters to summaries and quotations from the novels. The effect is to generate a wall of words that does more to conceal than reveal their author. And why, if we have read the novels (as we probably have if we’re reading this biography), do we need them in this regurgitated form?… he does have a tendency to interpolate himself as the figure by whom all doors in Greene’s life are opened… Sherry’s preoccupation with himself rather than Greene occasionally manifests itself in comic moments… lapses of tone or taste, self-indulgent digressions of which many writers are guilty at an early stage of composition, that with sensitive editing could have been eliminated. But there are so many that you begin to suspect that no one checked the typescript before it went to press…

The Independent (1):

Rather than providing a brief synopsis, however, Sherry spends page after page retelling the stories, illustrating them with great chunks of text. Similarly, he appears to reproduce every single instance of the way Greene used material from his diary when writing A Burnt-Out Case. Reading this is like wading through mud. Sherry has amassed an enormous amount of highly valuable and fascinating primary material, but seems to have no idea of how to deploy it to its best advantage. Any biography – and particularly one as long as this – needs a clear narrative line through the subject’s life. Sherry leaves us to flounder. It is not simply that the book lacks forward momentum; it jumps about all over the place, so that it is often impossible to tell where we are or what is going on… Sherry is unable to resist telling us about his exploits… Reading a biography, one wants some sense of the author’s presence, but it is merely distracting to have him waving his arms about and drawing attention to himself… Worse still is the portentous commentary Sherry sometimes adds. Describing (in unnecessary detail) incidents of murder and torture in Haiti… It seems inevitable that the first photograph in the book’s plate section is not of Greene, but of Sherry. The narrative opens with the information that, on the day Greene died, his biographer’s telephone never stopped ringing.

The Independent (2) in einem langen Sherry-Portrait:

One has to wonder, though, whether Greene chose him because he thought Sherry could do the task justice, or because he thought it would be interesting to watch him flounder in his exhaustive attempt to achieve the impossible… As we talked, both in his office and at the French restaurant, Bistro Vatel, where he put the finishing touches to his manuscript at his favourite corner table, Sherry revealed himself as a generous, open, highly engaging man. But he also came across as intensely fragile and vulnerable to the judgement of others.

George Walden im New Statesman:

His official biographer cannot write, period, though he intrudes himself on page after page… The simplest sentences mix pretension with vernacular, leaving them groggy on their feet.

 

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